2. Teil Welche Schulform? – Unsere Entscheidung

Nachdem ich eine Zwangspause auf meinem Blog einlegen musste (blöder Magen/Darminfekt), nun heute die Fortsetzung mit unserer Entscheidung und warum.
Wie bereits im Artikel “Welche Schulform ist die richtige für mein Kind” erwähnt, haben wir uns über die folgenden Möglichkeiten informiert:

  • Montessori
  • Freie Schule
  • Grundschule
  • Waldorf Schule
  • Freilerner

Leider gibt es in unmittelbarer Nähe keine wirkliche Montessori Schule. Deswegen ist sie direkt raus gefallen. Freilerner ist auch keine wirkliche Alternative, da ich es einfach zeitlich nicht bieten kann und ich für unseren Sohn auch den sozialen Austausch mit anderen Kindern wünsche.

Auf was kommt es uns bei der Wahl der Schulform besonders an?

Wir möchten das unser Sohn in eine Lernumgebung kommt, die ihm persönlich Freude und Spaß macht. Er soll seinen natürlichen Wissensdurst stillen und seine Interessen fördern können. Das Ganze aber in seinem eigenen Tempo. Natürlich ist uns auch wichtig, dass er Freunde findet. Da er mit den Zwillingen noch zwei kleine Geschwister hat, ist die Fahrerei natürlich auch ein Aspekt aber nicht die Priorität. Wir würden auch das in Kauf nehmen. Um unsere Entscheidung besser zu verdeutlichen, möchte ich kurz meine persönliche Meinung zu den erwähnten Schulformen schreiben.

 
Freie Schule
Angelehnt an die Montessori Pädagogik, hat die Freie Schule das Ziel, dass die Kinder selbstbestimmt lernen und handeln können. Sie bestimmen selbst an jedem Morgen, ob sie draußen Fußball spielen möchten oder an einem Projekt teilnehmen. Es gibt wenig bis gar keinen Unterricht, keine Bücher und keine Hausaufgaben. Die Kinder lernen durch die eigene Motivation und den “natürlichen Wissensdurst”.
Wir persönlich sehen das im Großen und Ganzen genauso. Wir sind uns zu 100% sicher, dass das Konzept funktioniert und das die Kinder aus eigenem Antrieb lesen und schreiben lernen. Auch vorteilhaft für uns, dass sie lernen, sich selbst Wissen anzueignen und sich tiefgründig mit einer Materie zu beschäftigen. Das Miteinander ist sehr wichtig und auch die sozialen Fähigkeiten werden tagtäglich gefördert. Wir denken auch, die Kinder gehen sehr gerne in die Schule und haben dort einen schönen Tag. Wenn die Nullbockphase kommt, dann spielen sie ein paar Tage und werden von alleine wieder anfangen zu lernen und Wissen sich aneignen zu wollen. Das glauben wir auch und prinzipiell ist dieses Konzept in unseren Augen eine andere aber sehr positive Schulform.
Allerdings ist es auch so, dass die Schule privat bezahlt werden muss (monatliche Belastung) und das die Kinder immer ein wenig “hinterher” hängen. Das liegt natürlich daran, dass sie aus eigenem Antrieb lernen können. Wir denken, dass diese Schulform nicht für jedes Kind geeignet ist. Viel bleibt bei den Eltern “hängen”, denn wahrscheinlich wird jede Mutter und jeder Vater schauen, dass das Kind einigermaßen dabei ist und dann zu Hause entsprechend interagieren. Denn und das ist für uns ein ganz wesentlicher Punkt, nach der vierten Klasse, geht es auf eine normale Regelschule. Den Übergang stellen wir uns sehr schwierig vor. Sicherlich gibt es Gesamtschulen, die ähnliche Konzepte haben und es nicht so streng ist, wie bspw. auf einem Gymnasium. Dennoch ist der Übergang eine Herausforderung. Natürlich haben die Kinder aber vier Jahre gehabt, die noch völlig ohne Druck und Schulstress waren. Für uns ist die Freie Schule schlussendlich aus diesem Grund des Überganges und die Fahrerei von gut 20 km täglich raus gefallen. Ich habe noch die Zwillinge, die auch Sozialkontakte usw. aufbauen.

 
Waldorfschule
Die Waldorfschule ist auch heute nicht überall anerkannt und hat ihren “Ruf”. Unserer Meinung nach total unberechtigt. Wir haben uns am Tag der offenen Tür ein sehr gutes Bild machen können. Die Atmosphäre, das Angebot für die Kinder von Schulgarten, Schmiede über künstlerische Aktivitäten, einfach super. In der Mensa Bioessen und auch die Stundenpläne usw. völlig human.
Wir haben uns dort auf Anhieb wohl gefühlt. Allerdings ist unserer Meinung nach der Epochenunterricht ein schwieriges Thema. Drei Wochen Mathe, dann wieder nicht und irgendwann dann wieder, dass ist sicherlich gewöhnungsbedürftig und nicht ganz einfach. Die Klasse ist mit 35 Kindern sehr sehr groß und eine Lehrkraft ist die ersten sieben Jahre in allen Fächern Ansprechpartner. Das ist für die Kinder sicherlich schön, so lange es eben funktioniert. Kommt das Kind oder die Eltern mit der Person nicht klar, wird es auch schnell kompliziert. Die Schule kostet monatlich und kann auch jederzeit gekündigt werden. Auch Waldorfschüler haben weniger Stress als in einer “normalen” Schule aber hängen auch meist im Schulstoff hinterher. Eurythmie und auch Heileurythmie (wie nachsitzen) haben wir uns angesehen. Es ist beeindruckend und auch wirklich schön anzusehen aber so richtig verstehen tun wir es nicht, wenn später pubertäre Jungs, in Gewändern tanzen sollen. Der Vorteil der Waldorfschule ist aber sicherlich, dass wenn Alles läuft, die Kinder dort ihr Abitur machen können und praktisch ihre Schullaufbahn in einem familiären Umfeld erleben. Das fanden wir persönlich sehr ansprechend. Nichts desto trotz werden die Lehren nach Steiner gelebt und wir hatten ein wenig den Eindruck, dass die Eltern nicht sehr viel hinterfragen und diskutieren sollten. Das sind nicht wir und deswegen ist es für uns auch diese Schulform nicht geworden.
Immer zu erwähnen, es sind unsere Eindrücke. Selbstverständlich wissen wir nicht ob es wirklich so ist und was uns ggfls. entgeht. Aber das ist ja immer so im Leben
 

Grundschule
Wie bereits im 1. Teil erwähnt, eine klassische Grundschule kommt für uns nicht in Frage. Der Leistungsdruck ab der 1. Klasse, Vergleich zwischen den Kindern, 100 mal die drei schreiben als Hausaufgabe, Förderunterricht in der nullten Stunde (noch vor allen Anderen) – nein, nicht mit uns. Vor allem, weil Jungs und Mädchen sich wirklich sehr sehr unterschiedlich entwickeln und Mädchen meist schon um einiges weiter sind. Mit den Zwillingen erlebe ich es tagtäglich. Ich denke das ist in einer “normalen” 1. Klasse dann schon etwas ungerecht. Der aufbrausende Junge, der schnell mit ADHS abgestempelt wird (obwohl er vielleicht einfach noch ein paar Monate mehr braucht), wird mit dem kleinen süßen Mädchen verglichen, dass schon mit drei ihren Namen schreiben konnte und unbedingt lesen lernen möchte.
 


 
Unsere Entscheidung
Jaaa, was fehlt denn eigentlich noch – richtig, die Grundschule mit Eingangsstufe. Unsere Entscheidung ist relativ schnell klar geworden, nachdem ich mich etwas intensiver mit dem dazugehörigen Konzept beschäftigt habe. Eingangsstufe bedeutet, dass die Kinder in Gruppen von 20 Kindern (1. und 2. Klasse) zusammen lernen. Jedes neue Kind, bekommt ein Kind aus dem 2. Besuchsjahr als Paten zur Seite. Ziel ist es, dass die Großen den Kleinen etwas bei bringen aber auch umgekehrt, dass die Kleinen sehen – wir können auch schon den Älteren Wissen vermitteln. Kinder, die schon weiter sind, können bereits nach dem 1. Besuchsjahr in die 3. Klasse wechseln. Die Anderen wechseln entweder nach zwei oder sogar nach drei Jahren. Es gibt keine Noten und kein “sitzen bleiben”. Die Kinder lernen in ihrem eigenen Tempo. An der Grundschule für unseren Großen gibt es aber auch klare Regeln und Grenzen. So werden Störer bspw. nicht im Konflikt mit der Lehrerin ermahnt oder es wird diskutiert, die Schule arbeitet mit dem Trainingsraum-Konzept. Erst erfolgt eine gelbe Karte, stört das Kind weiter, bekommt es die rote Karte und muss in den so genannten Trainingsraum. Dort wird erarbeitet warum es stört, was es anders machen kann usw.. Die Lehrerin selbst klärt den Zwischenfall in der Pause. So gibt es keinen direkten Konflikt mit dem Lehrer und die Gruppe kann ungestört weiter lernen. Jeder Schüler erhält seinen eigenen “Lehrplan”, den es selbstständig abarbeitet und bekommt die Zeit, die es dafür benötigt.
Wir haben uns schlussendlich für diese Variante entschieden, weil es so ein Mittelding zwischen freier Schule (im entferntesten Sinne) und einer klassischen Schulform ist. Ab der 3. Klasse geht es dann in den normalen Klassenverband. Wenn wir bedenken, wie hart der Schnitt von der Grundschule zum Gymnasium ist und wie alt unser Großer dann in der 3. Klasse sein wird, denken wir, dass er das auch packt. So hat er bis dahin einen entspannten Start in die Schulzeit und das Pensum und Tempo zieht langsam an. Wir finden die Alternativschulen wunderbar und wenn sie direkt nebenan wäre, könnte ich mir vorstellen, wäre das in die Entscheidung mit eingegangen. Mit der Wahl geht er mit seinen Kindergartenfreunden in die Schule, in der Stadt in der wir wohnen und ich bekomme es mit den Zwillingen gemanagt. Er startet einfacher als in einer normalen Grundschule und wird ab der dritten Klasse dann aber auch mehr gefordert und auf die weiterführende Schule vorbereitet. Für uns der beste Kompromiss! Die Hintertür, falls es überhaupt nicht klappen sollte, die lassen wir uns natürlich offen. Deshalb sind wir auch sehr froh, uns die verschiedenen Varianten angesehen zu haben.

Schreibe einen Kommentar

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

Menü schließen