Unsere Erziehung Teil 2 – Regel & Pflichten, Umgang mit Tieren, Streit unter Geschwistern

Manchmal hören wir, „ihr müsst doch mal mehr durchgreifen, bei Euch gibt es ja gar keine Regeln“. Das ist absolut nicht richtig und natürlich haben wir Regeln, an die sich aber Alle halten müssen. Es ist egal, ob Mama, Papa oder die Kinder, sie gelten für die gesamte Familie.

Regeln

Wir haben Grundsätzliche, wie in jeder anderen Familie auch

  • Wir hauen, beißen und spucken nicht
  • Wir entschuldigen uns – wer Mist gebaut hat, der entschuldigt sich. Auch Mama und Papa entschuldigen sich, wenn der Geduldsfaden vielleicht mal ein wenig zu kurz gewesen ist.
  • Wir schreien und nicht an

Auch wir Eltern bleiben ruhig und schreien nicht. Das ist manchmal leichter gesagt als getan aber wir versuchen es immer im Hinterkopf zu behalten

  • Wir sagen „Bitte“ und „Danke“, wobei wir nicht jedes Mal sagen „Wie heißt das Zauberwort?“. Wir Eltern leben es vor und die Kinder nehmen es an
  • Wir sind höflich und respektvoll miteinander
  • Wir sind ehrlich zueinander
  • Wir teilen miteinander

Das sind die Grundprinzipien und womöglich „Standard“ in den meisten Familien. Regeln wie bspw. „Was Mama und Papa sagen ist Gesetz“ oder „Jeden Tag nur 10 Minuten Fernsehen“ oder „Keine Süßigkeiten mehr nach 18 Uhr“ oder ähnliches – die gibt es bei uns in der Tat nicht. Die Kinder dürfen TV sehen, iPad oder handy spielen und auch Süßigkeiten essen. Wir versuchen immer Kompromisse zu schließen. Noch eine Folge und dann gehen wir raus. Na klar darfst Du Schokolade aber bitte nicht die Ganze. Wenn ich allerdings merke das er totalen „Jappel“ auf die Schoki hat, dann darf er auch die kleine Tafel (kaufen immer nur Kleine) komplett essen. Das machen wir ja schließlich auch. Generell muss ich zum Thema Süßigkeiten sagen, dass alle drei Kinder sie nicht in Massen futtern und auch gerne Obst oder andere Sachen essen und auch schon mal ein Kinderriegel ausschlagen. Wir achten darauf, dass wir nicht zuviel zu Hause haben und ich biete ihnen auch täglich Frisches an. Das nehmen sie auch sehr gerne.

Fernsehen und iPad ist ein schwieriges Thema. Wir haben die Abmachung, dass wir zur Mittagspause einen Film zusammen schauen und danach den Fernseher aus machen. Das klappt meistens auch sehr gut. Auch hier lassen wir aber mit uns reden. Meistens ist die Aufmerksamkeitsspanne nicht so groß und sie fangen von selbst an zu spielen oder möchten malen. An dem Punkt schalte ich dann das TV Gerät aus. Ansonsten ist es nicht notwendig zu sagen „Nur eine Folge und dann machen wir aus.“ Es reicht völlig, den Kindern einfach zu sagen, was wir als Nächstes machen. „Wenn die Folge zu Ende ist, dann malen wir, gehen raus oder fahren zu Oma.“

Erfahrungsgemäß sind es aber auch Phasen. Unser Kleinster spielt gerade unwahrscheinlich gerne auf dem handy und schaut sich dort Wimmelbücher an oder wäscht Autos. Er fragt auch „Mama handy spielen bitte“, denn er hat nun gelernt wie er mein Handy bedienen kann und möchte es immer wieder probieren. Es fasziniert ihn einfach und ich lasse ihn auch. Ich weiß genau, die Phase geht vorüber und dann ist das handy nicht mehr so spannend. Natürlich nicht Stunden. Auch bei den Kleinen funktioniert ablenken am besten. Wenn ich anfange mit Autos auf dem Teppich zu spielen, sind alle modernen Medien nicht mehr so wichtig. Mama in der Küche helfen macht viel mehr Spaß oder draußen im Garten mit dem Laufrad fahren und „Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr“ spielen, wird immer vorgezogen.

Selbstverständlich gelten bei uns auch sicherheitsrelevante Regeln, auf dem Parkplatz an der Hand laufen zum Beispiel oder was die Gesundheit angeht – das Zähne putzen. Ich weiß von anderen Familien, die komplett bedürfnisorientiert erziehen, dass die Kinder nicht Zähne putzen müssen, wenn sie nicht wollen. Wir erklären immer wieso und weshalb und lassen die Kinder selbst putzen. Wir putzen dann noch nach und das lassen die kids auch zu – ohne Geschrei.

Sicherheitsregeln

Bei uns gilt es: Alle oder Keiner! Wir schnallen uns Alle an im Auto – es gibt keine Ausnahme. Wir fahren mit Helm Fahrrad. Ja auch Mama und Papa tragen Helm. Wir sind die Vorbilder und im Moment tragen die Kinder ihren Helm ja noch freiwillig. Wir möchten aber nicht später die Schulkinder haben, die hinter der nächsten Kurve den Helm ab nehmen, Mama und Papa tragen ja schließlich auch Keinen. Wir gehen mit gutem Beispiel voran und wir können nicht von unseren Kindern erwarten das sie einen Helm tragen und womöglich noch das bekannte „Melonen Video“ zeigen und selbst fahren wir ohne Helm.  Alle oder Keiner!

Auf dem Parkplatz gehen wir an der Hand. Das ist im Moment für die Zwillinge nicht leicht und wird auch nicht gerne akzeptiert. Hier mache ich aber keine Kompromisse. Es ist schlichtweg zu gefährlich und Autofahrer sehen die Zwerge einfach nicht. Natürlich erkläre ich es aber jedes Mal wieder warum, wieso und weshalb.

Pflichten

Ich persönlich mag das Wort „Pflichten“ nicht sehr gerne und genau genommen gibt es die bei uns auch nicht. Der Große hat noch keine festen Aufgaben in der Familie und derzeit „bitten“ wir bspw. die Jacke und Schuhe im Flur auszuziehen und hinzuhängen. Ziehen sie sich im Wohnzimmer aus, bitte ich darum, dass sie sie in den Flur tragen. Das funktioniert sehr gut. Schmeißen sie die Klamotten oder Müll hin, dann wird der auch in den Mülleimer gebracht. Wir unterscheiden uns da nicht von anderen Familien. Sicherlich sind unsere Spielräume sicherlich ein wenig weiter gefasst aber wenn ich bei drei Kindern alle Aktionen usw. kommentiere, maßregel usw., dann würde ich den ganzen Tag nur schimpfen und wettern. Das möchte ich natürlich nicht und  ist auch absolut nicht notwendig.

Umgang mit Tieren

Wir achten die Tiere und Tiere sind Lebewesen mit Gefühlen. Bei uns zu Hause wird keine Ameise zerquetscht, Spinne weg gesaugt oder Fliegen in einer Fliegenfalle gefangen oder mit einer elektrischen Mückenfliegenklatsche erschlagen. Ameisen werden nicht durch Lupen usw. geärgert usw..

Mittlerweile ist es so, dass die Kinder Bienen, Wespen, Spinnen oder Käfer mit Freude und fachgerecht nach draußen befördert werden. Mit Glas und Papier gefangen und draußen wieder frei gelassen.

Streit unter Geschwistern

Ein schwieriges Thema und für mich als Mama auch oft nicht so einfach zu händeln. Wir haben ein Kindergartenkind und der junge Mann tobt mit seinen Freunden, rauft und schubst und klettert. Die beiden Kleinen sind natürlich noch nicht so robust und so ist oft Geheule und kleinere Konflikte. Ich versuche mich weitestgehend raus zu halten und die Kinder es selbst regeln zu lassen. Wichtig ist auf jeden Fall, ich bin nie auf der Seite von einem Kind. Meist frage ich „Was ist denn passiert?“ und dann versuche ich die Kinder selbst eine Lösung finden zu lassen. In dem Alter ist das noch sehr schwierig. Wenn bspw. der Große den Minijunior von seinem Puky Wutsch schubst und der natürlich anfängt zu weinen, dann sind Kinder nunmal so – jetzt habe ich das Wutsch und fahre weg. Der kleine Bruder wird einfach weinend liegen gelassen. In den Momenten greife ich ein und sage auch, Du hast ihm weh getan, dann schaue doch auch mal ob es ihm gut geht, hilf ihm auch oder auch entschuldige Dich bitte bei ihm. Eigentlich entspricht es nicht der bedürfnisorientierten Beziehung, dass Kinder sich entschuldigen sollen. Das sollen sie durch Vorbild der Eltern und im Entwicklungsprozess lernen. Wir finden das aber schon wichtig und bringen den Kindern bei, wer einen Fehler macht oder auch was Blödes sagt, dann entschuldigen wir uns – das machen wir als Eltern auch bei den Kindern

Sonstiges: Zimmer aufräumen  und die Welt entdecken

Auch diese Themen haben wir schon öfter gehört. Mein Großer muss mit fünf Jahren noch nicht sein Zimmer alleine in Schuss halten. Wir räumen gemeinsam auf und wenn es einmal wüst aussieht, dann ist es auch ok. Irgendwann fängt er alleine an oder wir machen das zusammen (schließlich muss ich da auch mal saugen). Das ist in dem Alter für uns völlig ok und wir sehen da keinen Grund, Druck oder sonstiges auszuüben.

Unsere Kinder sind am liebsten draußen. Die Kleinen möchten dem Großen wirklich überall hin folgen, rauf klettern, hüpfen, runter springen usw.. Das ist für uns nicht immer einfach, zu Mal da auch ein Doppelpack unterwegs ist und die ja nicht Hand in Hand durch den Garten laufen. Wir trauen den Beiden das auch zu und lassen sie ausprobieren. Allerdings haben wir immer noch ein Auge drauf. Erhöhte Wachsamkeit ist aber gefragt, denn ich habe auch schon erlebt, dass mein Junior mit dem Fahrrad vorbei fährt und die damals gerade mal 1,5 Jahre alte Schwester hinten auf dem Gepäckträger sitzt :-). Kann passieren!

20 Kommentare zu „Unsere Erziehung Teil 2 – Regel & Pflichten, Umgang mit Tieren, Streit unter Geschwistern

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  1. Zum Glück ist Erziehung immer noch Sache der Eltern und ich finde, da hat auch niemand anderes reinzureden. Jeder findet schon die für sich richtige Art! Bei mir ist das Thema zwar noch Zukunft, aber diese „alle oder keiner“-Regel finde ich schön! Es vermittelt ein Zusammengehörigkeitsgefühl und man geht als gutes Vorbild voran!
    Liebe Grüße, Isabelle

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  2. Zum Thema Süßigkeiten: Meine Kinder dürfen auch immer Süßes essen – und genau deswegen wollen sie es nicht. ;-) Nach dem Essen naschen sie gerne, aber da es für sie nichts Besonderes ist, geht der Reiz schnell verloren. Trotzdem gilt bei uns die Regel, dass sie immer vorher fragen und sich nicht einfach so bedienen.
    Liebe Grüße,
    Marie

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  3. Wir haben nicht viele Regeln, aber die Regeln die wir haben, setze ich auch konsequent durch. Zum Beispiel darf meine Maus nur 15 min am Tag mit dem Nintendo spielen oder mit dem Handy spielen.

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  4. Also Mal ehrlich, kleine Kinder wissen weder was sie wollen, noch was gut für sie ist. Wieso erlauben Eltern dann, dass das Zähneputzen ausfällt? Müssen die lieben Kleinen dann auch nicht zur Schule? Oder für ihr Geld arbeiten???

    Ich finde, so wie du eure Art der Erziehung beschreibst klingt es sehr gut. Gewisse Dinge müssen eben sein, auch wenn die Kinder es vielleicht gerade nicht so wollen. Ein Mindestmaß an Regeln muss schon sein.

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  5. Meine Liebe,

    du sprichst mir aus dem Herzen! Eigentlich teile ich deine gesamte Sichtweise und halte es mir meinen beiden Kleinen ganz genauso. Du bist die erste der „bitte“ „danke“ und diese (für mich) normalen Umgangsformen wichtig sind. ich finde das ist ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung und ich bin jedes Mal überrascht wie wenig andere Eltern davon halten. Schöner Beitrag <3!

    Liebe Grüße
    Verena

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  6. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Kinder selbst ganz gut einschätzen können, wann es zu viel ist. Klar, in der ersten Zeit ist der TV vielleicht wahnsinnig interessant aber wenn sie dürfen, dann geht die Aufmerksamkeit auch schnell zurück.

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  7. Euren Erziehungsstil finde ich sehr gut, Respekt! Gerade wenn man Dinge verbietet wollen es die Kinder später erst recht und vermutlich noch viel mehr. Von daher finde ich es gut wie ihr TV und Handy handhabt :)

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  8. Dankeschön! Einmischen bringt in meinen Augen auch nichts. Die Eltern wollen für ihr Kind auch nur das Beste. Ich finde es wichtig sich andere Familien anzuschauen und zu reflektieren und immer auch zu überlegen, was ich selbst als Mama noch besser oder anders machen kann. Vor allem sich auch immer wieder in das Kind reinzuversetzen, wie hat es eine Situation gerade erlebt. Nicht immer einfach aber die Welt aus Kinderaugen sehen kann sehr inspirierent sein.

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  9. In anderen Kulturen läuft es auch manchmal ganz anders, wobei ich sagen muss, dass jede Familie ihre eigenen Regeln hat.! Das finde ich auch richtig und wichtig. Jeder möchte das Beste für die eigenen Kinder 👍

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  10. Das ist ganz wichtig. Noch wichtiger ist, dass ein Konflikt mit Mama bei Mama bleibt und Papa sich nicht einmischt. Das Kind sollte immer eine neutrale Person haben, einen Haltepunkt der es dann in den Arm nimmt.

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  11. Ich habe die letzten Jahre viel mit Kindern aus anderen Ländern und mit anderem kulturellen background erlebt. Da haben meine Kinder und ich teils groß geguckt, denn die Regeln waren teils recht unterschiedlich. Wir haben jedoch immer Konsens gefunden und so finde ich es wichtig, Kindern die hier in Deutschland leben auch ein paar der von Dir hier erwähnten Grundregeln (Bitte und Danke sagen // respektvoler Umgang etc) aufzuzeigen. Und auch zu zeigen, dass das sich schön anfühlt auch dementsprechend selber behandelt zu werden. Das hat gut geklappt! VG

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