Affektkrämpfe – Wenn Kinder sich weg schreien

Affektkrämpfe? Weg schreien? Entweder habe ich von anderen Mamis gehört: “Das habe ich schon einmal gehört.” oder “Was ist denn das?”
Bis vor einer Woche habe ich auch nicht gewusst, was es damit auf sich hat.
Wikipedia schreibt dazu:

Unter Affektkrämpfe versteht man eine Übersteigerung affektiver (emotionaler) Reaktionen, die von der Person selbst nicht mehr kontrolliert werden können und sich in Wein-, Lach- oder Schreikrämpfen äußern.
Besonders bei Kindern zwischen dem 1. und 5. Lebensjahr kann es zu respiratorischen Affektkrämpfen (engl.: breath holding spells oder affective respiratory spasms), den sogenannten Wutkrämpfen kommen. Dies sind Affektkrämpfe, die sich ausgehend von einem minimalen Auslösereiz wie Erschrecken, Schmerz oder Unwohlsein über einen Schreikrampf, Anhalten des Atems, Zyanose und Erschöpfung bis zur Bewusstlosigkeit entwickeln. Diese Form der Anfälle können sich auch längere Zeit bis in das Schulkindalter erhalten und sind ausgehend von einer emotional induzierten Hyperventilation auch sehr selten bei Erwachsenen zu beobachten.[1] Die dramatischen Symptome verschwinden meist nach Erschöpfung oder einer tiefen Einatmung.

Erfahrungsbericht 
Affektkrämpfe sollen sehr willensstarke Kinder betreffen und das kann ich auch nur bestätigen. Unser Mäuschen weiß was sie will und was sie nicht möchte. Ich versuche es einmal kurz und knapp darzustellen.
Situation:
Wir wollten zum einkaufen, Mausi hatte ihre Lieblingsleggings an und wollte die nicht ausziehen, um eine Strumpfhose anzuziehen. Da es aber Minusgrade waren und sie gerade wieder fit war, musste ich mich durchsetzen und konnte ihr nicht den Willen ohne Strumpfhose zu gehen lassen.  (post bedürfnisorientierte Erziehung) .
Ablauf:

  • Mausi sitzt auf dem Schoß mit dem Rücken zu mir und beginnt zu schreien
  • Ich ziehe sie weiter an und denke nach paar Sekunden, sie müsste doch mal einatmen und schreien und drehe sie zu mir
  • Mausi atmet weiter ein – ich puste sie an – sie schüttelt mit dem Kopf – will sie nicht
  • Ich gebe sie leicht panisch meinem Mann mit den Worten “Sie atmet nicht ein, lenke sie ab”
  • Er nimmt sie, sie sackt in seinem Arm weg
  • Wir legen sie hin, sie möchte gerade die Augen zu machen und ich puste sie so kräftig wie möglich an
  • Augen gehen wieder auf – sie ist leicht durcheinander und müde

Von der ersten Aktion “Hose aus”, bis zum anpusten von mir und dem öffnen der Augen, sind vielleicht 20 Sekunden vergangen. Wir haben sofort unseren Arzt angerufen und die Situation geschildert. Dort wurden wir aber beruhigt (wie eine Mama eben beruhigt werden kann in dieser Situation).
Danach habe ich erstmal sehr viel zu dem Thema gelesen und möchte Euch die wichtigsten Aussagen dazu auch mitteilen (aus dem Gedächtnis):

  • Kinder können noch nicht hyperventilieren und der Körper schaltet sozusagen auf “Notaus” und startet das System wieder neu. Die Atmung beginnt mit der Bewusstlosigkeit wieder ruhig und das Kind wacht auf.
  • Kinder sollten möglichst normal behandelt werden und es sollte “keine große Sache” draus gemacht werden. Da es besonders willensstarke Kinder betrifft, können die das dann auch ausnutzen und provozieren wegen jeder Kleinigkeit so einen Schreikrampf (um zu bekommen was sie möchten).
  • Eltern sollten keinesfalls Alles ermöglichen oder Situationen vermeiden, aus Angst, es könnte wieder passieren

Wie gehen wir mit der Situation nun um?
Aufgrund meiner Recherchen ist mir bewusst geworden, dass Mausi schon als baby Affektkrämpfe gehabt hat. Kam die Milch nicht schnell genug, fing sie an zu schreien und  wir mussten sie anpusten, dass sie Luft holt und einatmet, um dann laut weiter zu schreien. Für uns war das aber immer unser Baby – sie ist eben so und kann nicht abwarten.
Nun im Kleinkindalter kommt uns die bedürfnisorientierte Erziehung zu Gute, denn wir lassen den Kindern generell ja viel Entscheidungsräume und so kommt es äußerst selten zu solchen Schreikrämpfen. Allerdings entwickeln die Kinder sich ja auch weiter und entsprechend kann es schon sein, dass nun in der Autonomie- und Trotzphase, das Thema eine neue Präsenz bekommt. Durch das Erlebnis sind wir aber nun sensibilisiert und versuchen es direkt mit ablenken, anpusten oder einer gezielten Ansprache, dass sie sich erst gar nicht so reinsteigert. Ich reagiere nun ein wenig schneller als vorher und weiß aber auch, dass es noch mal passieren kann. Besonders bei älteren Kindern ist das Thema “Sicherheit” sehr wichtig. Denn was ist, wenn das Kind gerade am Ende der Treppe steht und so einen Anfall bekommt, weil es nicht hinunter gehen möchte? Daher ist es auch wichtig, alle Bezugs- und Erziehungspersonen wie bspw. im Kindergarten zu informieren. Wir haben das im Spielkreis auch getan und sobald der Kindergarten los geht, werde ich die Info weiter geben.
Interessanterweise scheint unser stures Mäuschen aber auch dazu gelernt zu haben. Sie war sichtlich durcheinander hinterher und seitdem ist sie nicht mehr so aufbrausend und kontrollierter. Sicherlich kommt es auch immer bisschen darauf an, wie sehr sie Etwas möchte aber ich denke auch die Kinder lernen dazu.
Wir versuchen ihr nun aber auch zu zeigen, dass wir reden können, es immer Kompromisse gibt und ihr andere Wege und Möglichkeiten offen stehen, uns mitzuteilen, dass sie Etwas nicht möchte. Das ist natürlich nicht einfach aber das ist es ja nie.

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