“Afrika alleine mit zwei Kindern” Steffi im Interview

Heute startet meine neue Blogreihe “So leben und lieben  Familien in Deutschland“. Ich freue mich so sehr auf die vielen verschiedenen Interviews und Gastbeiträge, denn sie zeigen die unterschiedlichsten Familien und Leben, in ihrer eigenen Sprache und mit den eigenen Ansichten und Meinungen. Nicht umgeschrieben oder verändert – denn Ziel ist es, die Familien kennen zu lernen – so wie sie sind.  Im Mamazeiten Interview heute, Steffi Metz, alleinerziehend (41 Jahre), Mama von drei Jungs (1, 11 und 22 Jahre). Steffi betreibt eine eigene Kochschule in Potsdam. Ihr Lebenstraum ist es, in Afrika zu leben und zu arbeiten. Alleine mit zwei  Jungs nach Afrika – ein Plan und die Tickets sind gebucht. Mich persönlich hat Steffis Geschichte sehr beeindruckt und ihren Mut. Steffi, ich wünsche Dir Alles Glück der Welt, dass Alles wunderbar verläuft und ich werde Ende des Jahres gerne erneut über Euch in Afrika berichten. Danke für Deine Offenheit und das Du deine Geschichte mit uns teilst.

Steffi könnt ihr im Internet besuchen und nach Afrika begleiten. Zur Info, ihr verlasst mit klicken dann Mamazeiten:


Foto: Steffi Metz

Homepage: https://www.steffi-metz.de

Facebook Gruppe: Lebenstraum Afrika

Youtube:  Channel Steffis Sohn (11 Jahre) aus seiner Sicht

Instagram: https://www.instagram.com/the_african_life2018


Bild Steffi Metz

Das Interview mit Steffi ” Um frei zu sein, muss man auch wirklich frei sein wollen”

Bitte beschreibe kurz Deine Familie. Was tust Du beruflich, wer gehört zur Familie, wie ist euer Lebensstil bzw. -einstellung?

Kurz zur Familiensituation: Ich bin seit 22 Jahren alleinerziehende Mama 3er Söhne. Alle 10 Jahre habe ich vom Universum ein Geschenk bekommen. Meine Söhne. Ebensolange bin ich selbstsändig. Erst als freie Köchin, später mit einer Eventfirma, die sich auf Kochevents spezialisiert hat und seit 2013 habe ich meine eigene Kochschule in Potsdam. Die Väter haben noch nie Kontakt zu ihren Kindern gehabt, nicht weil wir es nicht wollen, sondern weil die Väter Alles ablehnen. Ich versuche meine Kinder so frei wie nur möglich zu erziehen. Nur in Freiheit kann man wachsen und sich entfalten.

Du möchtest mit Deinen beiden Kindern (1 und 11 Jahren) durch Afrika reisen. Wie kam es dazu?

In erster Linie ist es mein Traum nach Afrika zu gehen. Zum anderen brauche ich neuen Input. Im Moment macht mich dieses ständige arbeiten ( auch wenn ich meinen Job liebe) nicht glücklich. Meine Kinder kommen zu kurz und ich selbst sowieso. Lange habe ich das unter den Vorwand versteckt, dass die Kochschule ja mein Hobbyraum ist. Ist es auch, sogar mein Lebensmittelpunkt, soviel Zeit verbringe ich dort. Urlaub habe ich noch nie wirklich gemacht. Es war immer auch mit Arbeit verbunden. Im Sommer 2017 habe ich den Entschluss gefasst, einfach mal nach Afrika zu fliegen. Ich wollte erst mit meinem baby alleine – einfach mal raus. Schnell wollten auch meine Jungs mit. Also sind wir Anfang 2018 los, um Afrikaluft zu schnuppern. Ich war noch nicht mal ganz aus dem Flieger, da wusste ich, dass ich eigentlich gar nicht mehr nach Hause will. Ich schwöre, wären meine kids nicht dabei gewesen und hätte ich die Kochschule nicht, ich wäre illegal dort geblieben. So gab es Tränen beim Abflug. Kaum gelandet, habe ich die nächste Reise im Herbst geplant. Eigentlich wollte ich in Namibia ebenfalls eine Kochschule eröffnen. In Namibia habe ich allerdings festgestellt, dass das wahrscheinlich mit sehr viel Stress verbunden ist. Den habe ich ja nun hier auch und brauche ihn in Afrika definitiv nicht. Also musste ein anderer Plan her.  In Namibia darf man nur 3 Monate im Jahr sein. 25 Tage waren wir jetzt da. Das heißt, ca 10 Wochen darf ich noch. Ich habe verschiedene Lodges angefragt, ob ich dort gegen Arbeit mit meinen kids wohnen und essen kann. Natürlich gab es sehr viele Absagen,mit baby konnten sich das Viele nicht vorstellen. Aber die Kivo Lodge, die wollte uns unbedingt. 10 wochen Namibia waren somit im Kasten und ich konnte weiter planen: Betreuung der Kochschule. Untervermietung Wohnung, Schule, Kindergarten…. und und und.. das war soviel, dass ich dachte, für 10 Wochen lohnt sich der Aufwand bald gar nicht. Zeitgleich hat mich Jemand aus Tansania angeschrieben, ob wir nicht in seinem Heim helfen wollen. Erst dachte ich nee, was ich soll ich in einem Kinderheim. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dafür entschieden und die Reise wurde erweitert. Aus 10 Wochen wurde nun fast 6 Monate, dann kam Sansibar und Madagskar dazu, also fast ein Jahr. Und nun haben wir soviele Einladungen und tolle Kontakte, dass ich kein Rückflugsdatum mehr habe. Heimreise ungewiss.

Warum reist Du alleine und nicht bspw. mit einer/m Freund/Freundin?

Mein Kinder sind doch dabei. Die Reiseplanung war auch eher so, dass ich gar nicht mit einer weiteren Person gerechnet habe. Was in der Zukunft passiert, weiß ich allerdings nicht. Bin für Alles offen.

Wie verlief die Planungsphase? Wie sieht die Route aus und warum genau so?

Ich bin sehr erstaunt, wie schnell und gut bis jetzt Alles lief. Die Kontakte fliegen mir so zu. Alles scheint sich zu fügen.  Einzige Problem: Das Packen bereitet mir etwas Kopfweh. Was nimmt man mit, was lässt man hier. Große Herausforderung, auch wenn man keine dicke Kreditkarte hat.

Wo werdet ihr übernachten?

 Couchsurfing, Hostel, wir helfen bei Hilfsorganisationen gegen Unterkunft und Essen sowie Einladungen. Ich vertraue darauf, dass es uns in Afrika gut geht gehen wird.

Hast Du keine Angst bspw. vor Überfällen, Krankheiten usw.?

Nein, tatsächlich überhaupt gar nicht. Es wäre zwar ärgerlich, wenn uns die Kamara geklaut würde, mehr aber auch nicht. Das sind materielle Dinge, an Denen ich nicht so sehr hänge. Vor Krankheiten eigentlich auch nicht. Wir schützen uns alternativ, indem wir ein gutes Immunsystem aufbauen und auf uns achten. In meinen Augen die halbe Miete. Man sollte einfach auch seinen Verstand nutzen und sich im Vorfeld informieren, wie die Bedingungen vor Ort sind. Ausserdem haben wir ein sehr gute Reiseversicherung. 

Wovor hast Du am meisten Respekt („Angst“)?

Der Sprache. Denn das ist für mich ein echtes, von mir nicht unterschätztes Problem- ich gehöre nicht zu den Sprachlernwilligen. Doch schon, ich bekomme es nur nie hin. Alle Versuche andere Sprachen zu lernen, sind gescheitert. Ich hoffe sehr darauf, das wenn ich MUSS, es auch mal klick macht. Aber auch da lasse ich mich leiten

Was versprichst Du dir von der Reise? Welche „Erwartungen“ hast Du?

Ich könnte es mit dem kleinen Muck oder aber auch Mogli vergleichen. Die Suche nach dem Glück. Frei sein…  Ich möchte Etwas erleben, leben und mich treiben lassen. Das klappt hier in Potsdam irgendwie nie. Habe viel zu viele Verpflichtungen, Denen ich nachkommen muss

Wie ist Deine Familie mit der Entscheidung umgegangen?

Katastrophal. Meine Mutter bekommt es überhaupt nicht gebacken. Mein großer Sohn freut sich. Man merkt aber auch eine gewisse Traurigkeit, seine Mama und seine Brüder nicht mehr jeden Tag um sich zu haben. Wir haben uns aber versprochen, das wir regelmässig telefonieren und uns besuchen.

Die Frage, die wohl die meisten Leute interessiert: Wie macht ihr das mit der Schule?

Ganz einfach, er ist aus Deutschland abgemeldet. Damit umgeht man die Schulpflicht und auch die Nachweispflicht. Das ist für mich ganz wichtig. Melde ich ihn nicht ab, muss ich bei Rückreise ziemlich genau die Schulzeiten nachweisen. Das wird in Afrika sicher schwer. Darum beschäftigen wir uns gerade mit einem Freilerner-Konzept.

Wie machst Du das mit deinem job, finanziell und mit den Kindern ?

Die Kochschule übernimmt mein Sohn und führt sie mit meiner Hilfe weiter. Finanziell hab ich noch nicht die wirkliche Ahnung. Bisschen Unterhalt steht uns zur Verfügung. Das muss erstmal reichen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, das ich Möglichkeiten finde, in Afrika Kooperationen mit der Kochschule in Potsdam zu finden, um mir Etwas in Afrika aufzubauen.  Erste Kontakte sind auch schon geknüpft.

Foto: Steffi mit ihren Söhnen

Hast Du schon andere Reisen dieser Art unternommen?

Nein. Eigentlich war ich noch nie wirklich auf Reisen. Das hat mich komischerweise nie interessiert. Das Bedürfnis kam über Nacht und wird immer stärker.

Was bedeutet für Dich Glück?

Freiheit. Nicht gebunden zu sein. Keine Bürokratie , leben so wie es für uns passt. Meine Kinder glücklich zu sehen, ohne in Zwängen zu sein.

Wie wichtig sind Dir materielle Dinge?

Gar nicht. Ich wurde in den letzten Jahren aus der Not sehr minimalistisch.  Ich habe gemerkt, dass Besitz lähmt und Alles was man hat, auch nur meine Aufmerksamkeit braucht. Das merke ich jetzt beim packen. Hätte ich Nichts, würde es mir nicht solche Kopfschmerzen bereiten. Wir reisen mit einem Koffer und einem Rucksack. Der Rest bleibt hier – und das fühlt sich frei an.

Wie ist dein persönliches Lebensmotto?

Hakuna matata ;:-)

Lebe Deinen Traum – ein bekanntes Zitat. Welchen Traum verfolgst Du?

Afrika.  Und dabei muss ich an all die Menschen im Internet denken, die für viel Geld Seminare verkaufen die da lauten.. willst du frei sein??? Ich denke ,um frei zu sein, muss man auch wirklich frei sein wollen. Frei sein ist ein Gefühl, dass mit einem Schritt, in welche Richtung auch immer beginnt.  Dieser Schritt muss getan werden. 

Gibt es Dinge die Du uns mitteilen möchtest? 

Ich kann nur Jeden dazu ermutigen, die Dinge zu tun, die er möchte. Oft sind es die Gedanken, die den Schritt nicht zulassen. Die ganzen Fragen im Kopf. Fragt nicht. Tut. Oft ist es dann ganz einfach. Wir blockieren uns nur selbst und trauen uns nicht das Ergebnis zu fühlen.

Wenn ihr Steffi bei ihrer Reise begleiten wollt, sie hat eine eigene Facebook Gruppe und einen YouTube Channel. Eine spannende Reise – die ich auch auf Mamazeiten gerne weiter verfolgen möchte.

Facebook Gruppe: Lebenstraum Afrika

Youtube:  Channel Steffis Sohn (11 Jahre) aus seiner Sicht

Instagram: https://www.instagram.com/the_african_life2018

Photos: www.pexels.com

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Ein ganz wunderbares Interview! Vielen Dank. Sehr inspirierend und mitreißend dieses Anpacken und “einfach” Tun. Ich wünsche Steffi und ihren Kids alles alles Gute.
    Danke für diesen super Auftakt zu einer spitzenmäßigen Blogreihe liebe Janina <3
    Lisa

    1. Dankeschön! Ich habe Kontakt zu so vielen tollen Familien, die ihren eigenen Weg gehen und ich freue mich schon sehr, die Alle vorstellen zu dürfen.

  2. Sehr schöner Beitrag. Wir sind seit 7 Monaten unterwegs um die Welt und Lieben unser neues Leben! Unsere Kinder die es in der Schule oft schwer hatten sind so aufgeblüht. ❤

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