Dreifachmama – Alltag mit 3 Kindern

Drei Jahre – es ist bereits so lange her, dass die Beiden zu uns und in unser Leben getreten sind. Wie ist der Alltag? Welche täglichen Herausforderungen habe ich? Ich möchte heute über Grenzerfahrungen schreiben, denn als Mama, alleine mit drei kleinen Kindern – täglich -, da werden Grenzen nicht nur überschritten, sie werden förmlich eingerannt. Das sehr lautstark und voller Emotionen. 

“Sind das Zwillinge? Das ist aber viel Arbeit. Ach Sie haben drei Kinder. Na da haben Sie aber zu tun.” Diese Sätze habe ich oft gehört, als die Zwillinge noch klein waren und im Wagen saßen. Von Menschen, die total überrascht waren. “Ach ein Junge und ein Mädchen. Das sind Zwillinge? Aber eineiig sind die nicht oder?” bis hin zu “Ach wie schön, Zwillinge.” Ich habe viele Sätze gehört und damals darüber berichtet. Heute laufen die Drei durch die Gegend, die Kleinen können sprechen und sie gehen gemeinsam in den Kindergarten. Dreijährige, mitten in der Autonomiephase – also “ich kann das alleine” und diskutiere über Schuhe und Jacke anziehen und ein Sohn im Vorschulalter, der Vokabular aus dem Kindergarten mitbringt, wo ich mich zeitweise frage: “Hat er das eben tatsächlich zu mir gesagt?” Die Beiden laufen im Supermarkt durch den Laden, verstecken sich unter Kleiderständern oder alle Drei spielen fangen, immer rum um die Gemüsetheke. Ja heute schauen die Leute eher schockiert oder sagen: “Zwillinge! 3 Kinder! Na sie brauchen ja Nerven wie Drahtseile!” In dem Moment denke ich oft: “Wenn Sie wüssten – mein Geduldsfaden ist manchmal so dünn wie ein gekochter Spagetti und an anderen Tagen so dick wie ein Stahlseil.” 

Grenzerfahrung einer Dreifachmama

Doch wo stoße ich eigentlich genau an meine Grenzen? Vielleicht hilft es, sich den Entwicklungsstand der Kinder genauer anzusehen. Der Große ist im Vorschulalter. Sein Wissensdurst ist riesig. Er möchte lesen, schreiben und rechnen lernen, möchte Alles wissen und braucht sehr viel Bewegung, um seine Energie abzubauen. Er wächst gefühlt jede Woche einen Zentimeter und nebenbei möchte er noch alle möglichen Alltagsgegenstände ins Englische übersetzt haben. Außerdem verabredet er sich gerne mit Freunden, am liebsten zu Hause – da stören aber die Geschwister. Er hat direkt zwei davon, die heimlich in sein Zimmer schleichen, Spielzeug klauen oder einfach ungefragt dort spielen. 

Die Zwillinge sind in der Entwicklung recht unterschiedlich. Der Kleine ist motorisch fit, springt überall runter aber mitten in der Autonomiephase. Die meisten Eltern bezeichnen diese Phase als “Trotzphase.” Jeder stellt sich nun ein bockiges, weinendes Kind vor, dass bei jeder Kleinigkeit ausflippt, sich auf den Boden wirft und den Aufstand probt. Bingo – genau so ist es. Wobei dahinter natürlich Gefühle stehen und ein Entwicklungssprung, der sehr wichtig ist und mit dem Eltern wirklich sehr einfühlsam umgehen sollten. Für die meisten Eltern reicht diese Konstellation schon und bedeutet purer Stress. Ich habe allerdings noch gar nicht meine kleine Krawallnudel erwähnt. Mein Töchterchen ist in der Entwicklung zwar ein wenig weiter und weint nicht mehr bei jeder Kleinigkeit, allerdings weiß sie sich auch zu helfen und setzt sich durch. Wenn sie gute Laune hat, dann kreischt sie sehr laut, wenn sie weint, dann eben auch mit voller Inbrunst. Sie mag halbe Sachen so gar nicht. Besonders schön die Nachmittage, wenn mein “großes Mädchen” keinen Mittagsschlaf braucht aber dann sehr weinerlich wird und eigentlich auch unausstehlich. 

Die drei Strategen treffen also aufeinander. Jeder mit seinen Bedürfnissen und Jeder mit seinem eigenen Forscherdrang. Das führt meist dazu, dass sich Sachen gegenseitig geklaut werden, die Kleinen ihre Wut noch nicht so gut kontrolliert bekommen und vielleicht mal schubsen – der Große aber direkt mit schubsen erwidert. Natürlich mit etwas mehr Kraft. Kurzum sie streiten und Mama mittendrin. An manchen Tagen beginnt das bereits direkt nach dem aufstehen. 

In meinen Augen ist das auch normal. Es laufen drei Individuen durch das Haus und Jeder möchte mit Mama spielen, Mama helfen und bei Mama sein. Für mich ist das natürlich sehr intensiv. Hat ein Kind Hunger und ich gehe in die Küche, braucht der Nächste meine Hilfe. Der dritte im Bunde ruft direkt oder meine Kleene malt Stühle an oder schmeißt irgendeine Sache durch die Gegend. Natürlich mit dem Ziel – Mama jetzt bin ich dran. 

Wie ist die Lösung?

Natürlich gibt es keine Generallösung und es ist stark von meiner eigenen Tagesform abhängig. Eigentlich ist die Stimmung in der Familie  immer von der Mama abhängig – sofern sie Diejenige ist, die die meiste Zeit mit den Kleinen verbringt. Die Kinder spüren das Wohlbefinden der Mama und reagieren ebenfalls mit eigenen Verhalten darauf. Bin ich ruhig, sind die Kinder auch ruhiger. Bin ich genervt, streiten sie mehr. Das ist normal und auch wenn ich das weiß – ich kann manchmal eben auch nicht aus meiner Haut. 

Die Situation zwischen den Geschwistern lässt sich aber mit Kleinigkeiten entspannen, die Jeder zu Hause ausprobieren und umsetzen kann. Ich muss aber dazu sagen, dass die Umsetzung ein wenig dauert und es trotzdem immer mal wieder zu Reibereien kommen kann. Allerdings sind es klare Absprachen – gemeinsam mit den Kindern getroffen, die sie kennen und das Miteinander einfacher machen. 

Das eigene Zimmer ist der eigene Verantwortungsbereich und hier bestimme ich

Besonders der Große braucht einen Rückzugsort aber auch die Möglichkeit, einen Raum zu haben, wo er nicht teilen muss und seine eigenen Entscheidungen treffen darf. Sein Zimmer! Es ist eine Regel, dass die Zwillinge fragen, ob er mit ihnen spielt, ob sie mit im Zimmer spielen dürfen oder nicht. Natürlich haben die Beiden auch das Recht und entscheiden, ob sie alleine sein möchten oder nicht. Das gilt im übrigen auch für die Ordnung im Zimmer. Sein Zimmer – seine Verantwortung. Ich helfe natürlich gerne beim aufräumen und biete es auch an aber ich zwinge ihn weder, noch räume ich es komplett alleine auf. Ich habe keine Angst das sie unordentlich werden. Ich sehe es bei meinem Großen – er geht wirklich selbst hoch und räumt auf – weil er es bei sich schön haben möchte.

Spielzeug gehört mir und ich bestimme darüber

Genauso ist es mit dem Spielzeug. Die Kinder haben ihre Sachen und darüber dürfen sie entscheiden. Die Kleinen gehen immer auf Klautour und schleppen dann heimlich die Spielsachen aus dem Zimmer vom Großen. Das geht natürlich nicht und wir überlegen gerade, wie wir sein Zimmer “zwillingssicher” bekommen. Wir halten es für sehr wichtig, dass er seinen Raum hat und da die beiden Kleinen es noch nicht so gut verstehen, müssen wir mit einem Schild oder wie auch immer dafür sorgen, dass sie es verstehen bzw. nicht in das Zimmer kommen. Teilen ist immer freiwillig und für ihr Spielzeug übernehmen sie Verantwortung. 

Zeiten für die einzelnen Kinder

Das kann ich tagsüber natürlich nicht leisten. Die Kleinen schlafen nicht mehr und somit habe ich die Aufsichtspflicht. Am Abend hingegen geht es sehr gut. Entweder beschäftigt der Papa sich mit Zweien und ich habe Zeit bspw. mit meinem Großen zu rechnen oder wir integrieren die Spielzeit mit einzelnen Kindern, vor dem schlafen gehen. Auch wenn es 30 Minuten sind – die Kinder haben Mama oder Papa (wer gerade mehr gefragt ist) für sich alleine.

Hilf mir es selbst zu tun

Sind die Kinder beschäftigt, haben sie weniger Zeit zum streiten. Die Kinder wollen gerne helfen und so haben wir in der Küche einige Kleinigkeiten optimiert. Beispielsweise können die Kinder sich nun jederzeit einen Becher und somit Trinken nehmen oder eigenständig den Tisch decken. Ich versuche mind. ein Kind beim Essen kochen zu involvieren oder im Haushalt helfen zu lassen. Im Badezimmer ist genauso Struktur -Jedes Kind seinen Zahnputzbecher und Zahnbürste, die auch immer wieder zurück gestellt werden. Im Flur werden die Schuhe in Reihe gestellt und die Jacken aufgehängt. Das Alles machen sie freiwillig und mit Spaß. Wir definieren unser Zusammenleben gemeinsam und machen keine großen Vorgaben. Das verstehen die Drei sehr gut und machen auch gerne mit. 

Gefühle verstehen und nicht Verhalten bewerten

Ein wichtiger Aspekt bei uns zu Hause ist, dass wir ohne Strafen und Drohungen mit unseren Kindern zusammen leben und wir uns in jeder Situation versuchen, in sie hinein zu versetzen. Es ist nicht immer leicht und auch wir schaffen es nicht immer aber wir versuchen die Gefühle und die Handlung aus Sicht des Kindes zu verstehen. Gefühle beschreiben und benennen sind hierbei sehr wichtig.

Mama hat auch Gefühle

Ich versuche in diesen Situationen den Kindern zu erklären wie ich nicht fühle und bspw. gerade sehr genervt bin. Sie sollen verstehen, dass es mir nicht anders geht als ihnen. Das ich es nachvollziehen kann, dass sie toben möchten aber ich bspw. Angst habe, sie könnten sich verletzen. Es ist erstaunlich, wie gut sie die Zusammenhänge schon begreifen. Ich selbst hinterfrage mich aber auch und überlege mir, wie ich ruhiger reagieren könnte.

 

Für mich ist Familie ein Miteinander. Keiner ist irgendwem unterstellt und ich habe nicht die “Macht” als Mama, über Alles zu bestimmen. Ich trage eine riesen Verantwortung und muss die Führung übernehmen und die Richtung tagsüber vorgeben. Die Kinder können nichts dafür, dass sie Jeder zwei Geschwister haben. Ich kann nicht erwarten, dass sie sich nur rücksichtsvoll verhalten. Es ist unsere Aufgabe ruhig zu bleiben, die Situation zu analysieren und Lösungen zu finden. Ich bin gerne Mama und so stolz auf meine drei Strategen. Auch wenn ich manchmal an Grenzen komme – das ist mir bewusst und das ist auch nicht verwerflich. Ich denke drüber nach und irgendwann werden aus Spagetti Geduldsfäden, dann Schnüre und dann Seile und schlussendlich Drahtseile. Wir sind als Familie auf einem gemeinsamen Weg, den wir gemeinsam erleben und entscheiden. 

 

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