Bedürfnisorientierte Erziehung – Eltern von einem anderen Stern?

Bedürfnisorientiert Erziehung – was genau ist denn das? Ich habe lange nachgedacht, ob ich über unseren Erziehungsstil einen Blogbeitrag mache, denn wir machen Vieles anders und wir finden es gut so und wenn ich meine drei tollen und liebevollen Kinder sehe, dann weiß ich, wir für uns, wir sind auf dem richtigen Weg.
Was machen wir anders? Es gibt Grundregeln bei uns, wie wir schreien und hauen nicht und auch wir entschuldigen uns.
Es gibt aber auch Regeln, die bei ganz vielen Menschen auf Unverständnis stoßen. Bei uns gibt es keine Strafen

  • Kinder haben und dürfen ihren eigenen Willen haben
  • Wir Eltern üben keine Macht über die Kinder aus
  • Wir Eltern drohen nicht mit wenn… und dann…
  • Bei Trotzanfällen usw. wird nicht geschimpft
  • Wir erziehen nicht, wir lieben und leben beziehungs- und bedürfnisorientiert
  • Wir entschuldigen uns

 
Ich möchte gerne auf die einzelnen Punkte eingehen.
Keine Strafen:
Es gibt keinen stillen Stuhl, kein “gehe in Dein Zimmer”, keine Androhungen von keine Gutenacht Geschichte, kein Fernsehen – eben keine Strafen.
In dem Moment, in dem alle Dämme brechen, das Kleinkind weint, tobt und wütend wird, haben unserer Meinung nach alle Strafen nur die eine Botschaft, “Ich darf jetzt nicht bei Mama und Papa sein” – Liebesentzug. Ein Kind von 5 Jahren sitzt nicht auf dem Stuhl und denkt darüber nach was es Falsch gemacht haben könnte. Es ist in einer Ausnahmesituation, es weint weil es genau weiß, dass das Verhalten nicht ok war. Nennen wir es Scham, es wurde ertappt. Es weiß das wir Recht haben und kann seine Gefühle nicht kontrollieren.Wenn Eltern Strafen verhängen, dann üben sie ihre Machtposition aus. Für uns gibt es keinen schlimmeren Satz als “Weil ich das gesagt habe”. Wir erklären Alles und begründen warum manche Dinge gerade nicht gehen. Wir sind aber auch immer offen für Kompromisse und Deals mit den Kindern.Wir nehmen unser wütendes und tobendes Kind in den Arm und signalisieren ihm damit, wir lieben Dich und auch wenn das eben nicht gut war, es ist ok und wir sind für Dich da. Hat sich der Große beruhigt, reden und erklären wir die Situation und sagen ihm auch deutlich das wir das zukünftig nicht mehr machen. Wichtig ist der Zeitpunkt, denn Stunden später weiß das Kind nicht mehr worum es wirklich ging und in der emotionalen Phase ist es nicht aufnahmebereit. Deswegen halten wir auch nichts von Gutenacht Geschichte streichen. Am Abend ist das nächste Drama vorprogrammiert, weil das Kind das Verständnis noch nicht hat. Außerdem ist es nicht fair, denn die Kinder können uns ja auch nich die Lieblingssendung streichen, wenn wir einen Fehler gemacht haben.
Drohen/ schimpfen/ Macht
Es ist ein relativ einfacher Weg, wenn Du nicht sofort deine Jacke anziehst, dann bleiben wir hier. Wir bestimmen oft das Handeln und den Zeitplan unserer Kinder. Die Kleinen müssen aber unserer Meinung nach lernen, dass ihr handeln auch Konsequenzen für sie selbst haben kann. Ich erkläre dem Großen es dann in der Art: “Wenn Du deine Schuhe jetzt nicht bald antiehst, dann hast Du weniger Zeit zum spielen oder wir können dann nichts mehr einkaufen, weil der Laden schließt”. Meistens kommt als Antwort “Hilfst Du mir Mama?” Bevor ich mich mit dem Thema bedürfnisorientierte Erziehung beschäftigt habe, habe ich oft gesagt das er ein großer Junge ist, er das schon alleine kann und somit noch mehr Druck und Stress aufgebaut. Heute antworte ich mit “Natürlich, sehr gerne helfe ich Dir” . Warum ich das mache ist einfach. Zum einen bekomme ich schnell was ich möchte – er zieht sich an und zum anderen hat er für die Minuten meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Natürlich kann er das auch alleine aber vielleicht hatte er gerade im Bauch ein komisches Gefühl (Eifersucht) als Mama die Zwillinge angezogen hat und hat nun auch das Bedürfnis nach Hilfe. Warum auch nicht, ich weiß das er es kann.Generell gehört es sich für uns auch, dass wir uns bei den Kindern entschuldigen, wenn wir einen Fehler gemacht haben. Sie lernen am meisten von uns im Umgang miteinander. Eltern können zig mal sagen “wie heißt das Zauberwort?”, wenn Mama und Papa es untereinander nicht verwenden, dann ist es kein Wunder, wenn es die Kinder auch nicht nutzen.
Eigener Wille
Unsere Kinder, egal ob 4 oder 2 Jahre alt haben ihren eigenen Kopf und eigene Bedürfnisse und Willen. Wenn Mausi die Jacke nicht anziehen möchte, dann werde ich sie niemals zwingen. Mein Mann gibt mir ja auch nicht vor welchen Schlüppi, welche Socken usw… Selbstverständlich haben wir eine Fürsorgepflicht und die Kinder müssen die Erfahrung machen, draußen ist es kalt, eine Jacke macht Sinn. Es ist aber wichtig, dass sie selbst die Erfahrung machen dürfen und wir nicht das komplette Leben vordiktieren. Wenn also wenn mein Minijunior meint er will ohne Jacke raus, dann erkläre ich ihm das es kalt ist und wenn er dann trotzdem nicht möchte, dann lasse ich ihn die Erfahrung machen und nehme die Jacke natürlich mit.
Es ist immer ein abwägen, kann ich den eigenen Willen zulassen oder haben wir Zeitdruck, ist es zu gefährlich oder geht es einfach wirklich nicht weil bspw. gesundheitsgefährdend.
Das Tagesziel ist es, möglichst oft den Kindern das Gefühl zu geben, dass habe ich alleine entschieden und möglichst wenig wirkliche Vorgaben zu machen. Ansonsten treffen wir Vereinbarungen, mit den beide Seiten gut leben können. Sie lernen aber auch, dass wir uns an die selbst getroffenen Vereinbarungen auch halten.
Last but not least: Wie gehen wir mit einem Trotzanfall um
Der Klassiker, Kind wirft sich auf den Boden und weint weil Mama “nein” gesagt hat und will nicht weiter gehen. Viele sagen dann: “Gut dann gehe ich eben ohne Dich, wenn Du nicht kommst” oder “ich bringe Dich ins Auto”
Beide Male bekommt das Kind eins – Angst. Liebesentzug und Panik Mama geht weg oder lässt mich alleine im Auto. Doch wie anders machen. Geduld und Ruhe bewahren und die anderen Leute denken lassen was sie wollen. Ich versuche als Erstes in den Arm nehmen und die Gefühle zulassen – kurz ausheulen. Das geht nicht immer, manchmal wollen sie nicht angefasst werden. Dann setze ich mich daneben und rede ruhig und versuche zu beruhigen. Sobald es möglich ist und zugelassen wird, drücke ich sie an mich und gebe das Gefühl. Alles gut, der Ausbruch ist ok. Danach frage ich warum er/sie so weint und wir versuchen eine Lösung zu finden bzw. kindgerecht zu erklären warum das Teil nichzt gekauft werden kann.
Ich könnte noch so viel mehr schreiben – vielleicht in einem 2. Teil. Dann wie wir mit Streit unter den Kindern umgehen, Regeln und Pflichten, Entwicklung und Förderung und Umgang mit Tieren

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