Frei leben und reisen mit 4 Kindern – trotz Schule – ein Gastbeitrag von Anja

Ich freue mich sehr über den Gastbeitrag von Anja, Mama von 4 Kindern. Sie und ihre Familie haben sich gemeldet, um bei der Blogreihe “So leben und lieben Familien in Deutschland” mitzumachen. In den kommenden Beiträgen werde ich Euch Familien vorstellen, die in einer Lebensgemeinschaft (Dorf) zusammen leben möchten, die Wert auf eine ordentliche Erziehung legen oder auch durch die Welt reisen. Außerdem wird es Neuigkeiten von Steffi aus Afrika geben. Ich freue mich schon sehr. Heute aber der Gastbeitrag von Anja. Auch sie reisen sehr viel mit ihren vier Kindern. Sie sind Beide selbständig und möchten Euch heute an ihrem Leben teilhaben lassen. Liebe Anja, herzlichen Dank für den Einblick in eure Familie. 

Gastbeitrag: Wie wir leben

Wir, dass sind Toralf und Anja Seidemann und unsere 4 Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne (4, 8, 10 und 17 Jahre). Toralf und ich, wir sind selbstständig tätig als Natur- und Wildnispädagogen, Kunsthandwerker und als Natur- und Reisefotografen. Toralf ist zudem Mediator, Konfliktmanager und Berater rund um das Thema freie Bildungsentscheidung, ich bin Sozialpädagogin, halte Vorträge und berate zum natürlichen wertschätzenden Umgang mit Babys und Kleinkindern.

Seit nunmehr 2 Jahren sind wir als beruflich reisende Familie im In- und Ausland unterwegs. Zuerst noch mit unserem großen runden Zelt und seit Ende 2016 mit unserem selbst ausgebauten Mercedes Benz 507D Kastenwagen, unserem „Bus“. Vorher sind wir nie großartig gereist. Ich kannte bis dato nur Schweden und Italien von Urlauben mit meiner Familie und Großbritannien durch eine Sprachreise in der Schulzeit. Seit wir den Schritt ins beruflich Reisen gegangen sind, sehen wir mit einem Mal ganz viel von der Welt. In den zwei Jahren haben wir bei Wildniskursen weite Teile Deutschlands kennengelernt, Frankreich, das Loiretal und den Atlantik auf einer Fototour bestaunt, sind über die Pyrenäen nach  Spanien und dort bis ganz in den Süden gereist. Haben im Februar an Palmstränden im Mittelmeer gebadet und waren im April plötzlich in China, um dort PädagogInnen, Leitungspersonen im Elementarbereich naturpädagogisch weiter zu bilden (nach China sind wir aber dann doch geflogen). Die Welt wurde plötzlich klein. Und überall trafen wir Gleichgesinnte.

Immer wieder werden wir, wenn wir von unserem Leben und Arbeiten erzählen, gefragt: „Wie macht ihr das dann mit der Schule, wenn ihr so viel unterwegs seid?“

Unsere schulpflichtigen Kinder haben eine Stammschule, die sie besuchen, wenn wir Zuhause sind. Im letzten Schuljahr waren das nur wenige Wochen.

Wenn wir unterwegs sind haben sie ein paar Aufgaben von der Schule dabei. Weitestgehend lernen unsere Kids frei und ohne zeitliche und inhaltliche Begrenzung nach ihren jeweiligen Interessen. Sie sind offen für Neues und stellen viele Fragen. Englisch zum Beispiel können sie im realen Dialog mit anderen Menschen lernen. In Spanien haben sie tagelang mit Kids aus England gespielt, sich mit Händen und Füßen verständigt und dabei ganz nebenbei mehr von der englischen Sprache gelernt. Viel wichtiger als den Erwerb der Sprachkompetenz finde ich jedoch, dass sie nach diesem Erlebnis eine klare Vorstellung vom Sinn des Sprachenlernens formulieren konnten. Sie waren emotional eingebunden und hatten den Nutzen für sich selbst erkannt. Ich finde es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie Kinder miteinander in Kontakt kommen. Sprachliche Unterschiede sind so völlig egal. Wenn sie merken, dass es menschlich passt, finden sie (kreative) Mittel und Wege und verbringen einfach eine schöne Zeit miteinander! Sie lernen die verschiedenen Länder und Kulturen hautnah kennen und hören es nicht nur aus Erzählungen oder lesen davon in Büchern.

Die chinesische Kultur beispielsweise ist so völlig anders als unsere, … Diese Erfahrung war für die Kids auf jeden Fall auch anstrengend (Chinesen wollen wirklich alles Fremde immerzu fotografieren und blonde Kinder fanden sie besonders faszinierend), jetzt allerdings haben sie ihre Erfahrungen aus erster Hand und die kann ihnen keiner mehr nehmen.

Und ja, es ist auch für uns als Eltern nicht immer einfach unsere Kinder immer auch bei der Arbeit dabei zu haben. Andererseits verbringen wir tatsächlich einen Großteil unserer Lebenszeit zusammen als Familie und das ist für mich ein unschätzbarer Gewinn!

Inzwischen haben wir viele befreundete Familien in allen Ecken der Welt. Wir treffen uns immer wieder, die Kinder spielen miteinander, als ob sie sich erst gestern das letzte Mal gesehen hätten – an sozialen Kontakten mangelt es jedenfalls nicht! Auch in den Programmen mit Kindern und Jugendlichen in denen wir arbeiten schließen unsere Kinder schnell Freundschaften sodass auch private Besuche in den Familien der Kinder vor Ort immer wieder eine willkommene Abwechslung für unsere eigenen Kinder bieten.

Für uns bedeutet diese Art zu leben und zu arbeiten ein großes Stück Freiheit. Den Schritt zurück in eine Festanstellung – 5 – Tage – Woche kann ich mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen. Klar müssen wir uns an manchen Stellen auch einschränken und sind mit unserem Bus eher minimalistisch unterwegs, aber mittlerweile genießen wir es sehr, wenig dabei zu haben. Wenn man weniger hat, muss man sich weniger kümmern! Und bisher fehlt uns da überhaupt nichts.

Mancher fragt sich nun vielleicht, wie man auf solch eine Idee kommt, zum Arbeiten weg zu fahren. Dieser Schritt war sowohl einfach, als auch schmerzhaft und mit vielen Unsicherheiten und Ängsten verbunden.

Als unsere Tochter 2014 in die Schule kam, wären wir nie auf die Idee gekommen so zu leben, wie wir es heute tun. Dann kam alles ganz anders als gedacht: Sie bekam Bauch- und Kopfschmerzen, Hautausschlag und im April des ersten Schuljahres konnte sie plötzlich nicht mehr schlucken. Es ging nicht mal mehr Eis runter und das Trinken fiel ihr wahnsinnig schwer. Das konnte so nicht weitergehen! Wir mussten Abstand zur Schule bekommen! Um das berufliche Reisen und das Arbeiten so eng mit den Kids zu testen, haben wir uns ein Jahr beurlauben lassen. Unsere Tochter erholte sich und nach einem dreiviertel Jahr fing sie langsam an, sich wieder für das Lesen und Schreiben zu interessieren. Das hatte sie bereits in ihrem ersten Schuljahr völlig verweigert!

Dieses Leben gefiel uns allen gut und wir beschlossen, diesen Weg weiter zu gehen. Wir suchten die passende Stammschule für unsere Kids. Eine, die sich auf unsere Art zu leben und die wenigen Anwesenheitszeiten unserer Kinder einlassen konnte. Diese liegt zwar nun 50 km weg von unserem Zuhause, aber die Kids fühlen sich dort wohl – das ist die Hauptsache!

Ja, und nun sind wir wie oben beschrieben in der Welt unterwegs! Im Oktober werden wir wieder in China sein, in den Wintermonaten werden wir unsere Küstenfotoreise in den Süden fortsetzen und irgendwann möchten wir über ca. 4 Monate über den Landweg nach Norwegen reisen. Ich möchte dazu gern ein Buch schreiben. Ich bin echt gespannt, was uns noch alles begegnen wird und wie unsere Lebensreise weitergeht.

Verfolgen könnt ihr unseren Weg auf dem Blog unserer Wildnisschulhomepage www.wildnisschule-holzland.com. Dort findet ihr auch unsere Angebote aus dem Bereich Natur- und Wildnispädagogik. Habt ihr Interesse an unseren Beratungsangeboten? Dann schaut doch mal bei www.wurzeln-fluegel.de vorbei. Die Seite mit Toralfs Angeboten in den Bereichen Mediation, Konfliktmanagement und Beratung zur freien Bildungsentscheidungen befindet sich derzeit noch im Aufbau. Ihr könnt ihn aber per Mail kontaktieren: seidemann@s-medio.de

Alles Liebe, Anja

Mamazeiten

Mama von drei Kindern - Zwillingen - und Wuffel

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