Im Interview: Julie 32 Jahre – Mama von 5 Kindern – Abenteuer Großfamilie

Julie ist 32 Jahre alt und Mama von 5 Kindern. Welche täglichen Herausforderungen es mit sich bringt, eine Großfamilie zu managen, wie die Gesellschaft auf fünf Kinder reagiert und wie der Alltag funktioniert, erzählt uns Julie im Mamazeiten Interview. Herzlichen Dank für den Einblick in Dein Leben. 

Julie (32 Jahre) - Homepage: Puddingklecks

Über Julie

"Es ist laut, es ist oft chaotisch und meist bleibt irgendwas auf der Strecke"

Ich heiße Julia. Seit Schulzeiten werde ich Julie genannt. Deshalb ist das auch im Blog mein Name – und ehrlich, manchmal fühlt es sich schon fast fremd an, wenn jemand Julia zu mir sagt. Ich habe 5 Kinder zwischen 5 Monaten und 10Jahren.Die ältesten beiden sind Mädchen (die Prinzessin 8 Jahre & die Große 10 Jahre), die drei kleinen sind Jungs (der Zwerg ist 6  Jahre, der Frosch 4 Jahre und der Keks 5,5  Monate alt).

Selbstverständlich könnt ihr Julie auf ihrem Blog oder social media besuchen:

Das Interview - Abenteuer Großfamilie

Die Blogreihe Familie stellt Familien vor, wie sie leben und lieben – bunt, chaotisch oder fernab eines “normalen” Lebens. Es gibt keine richtige oder falsche Meinung. 

Bitte stelle Dich und deine Familie kurz vor

Ich bin Julie, 32 Jahre alt, schreibe seit über drei Jahren auf Puddingklecks über mein Leben in der Großfamilie und hoffe so, ein paar Vorurteile abzubauen und mehr Toleranz für Großfamilien aufbauen zu können. Als Ernährungsberaterin sind aber auch ausgewogene und leckere Gerichte ein wichtiger Bestandteil meines Alltags.

Du bist Mama von fünf Kindern. Wie können wir uns einen ganz normalen Tag bei Euch vorstellen?

Der Tag ist ziemlich straff durchstrukturiert und richtet sich nach Schulzeiten, Hobbies und Arztbesuchen. Es ist laut, es ist oft chaotisch und meist bleibt irgendwas auf der Strecke. Gerade ist es zum Beispiel die Wäsche, die nach einem Magen-Darm-Kind zu den üblichen Wäschebergen dazu kommt.

Mein Tag beginnt irgendwo zwischen 5 und 6 und endet gegen 22 Uhr. Also nein, er endet eigentlich gar nicht, denn ich habe ein Stillbaby, das auch nachts nach Mama verlangt. Wenn gegen halb 8 alle aus dem Haus sind, ist das Baby an der Reihe. Macht es seinen Vormittagsschlaf, ist der Haushalt angesagt. Sobald der Keks wieder wach ist, gehört meine Aufmerksamkeit ihm. Wir spielen, gehen raus und kochen zusammen. Also er guckt mir aus der Babywiege aus zu und knatscht dabei an einer Gurke. Wenn die Kinder gegen 13 Uhr aus der Schule kommen, gibt es Essen und die Hausaufgaben stehen an. Nach den Hausaufgaben sind die Hobbies an der Reihe und du kannst dir ausmalen, dass da eigentlich kein Tag ohne Mamataxi oder die Uhr im Nacken stattfindet. Nach dem Abendessen wird nochmal für die Schule gelernt und jedes Kind ins Bett gebracht. Danach habe ich noch ein wenig Zeit für mich, bevor ich selbst müde schlafen gehe.

Wie schaffst Du es Dich zu organisieren?

Einfach ist es nicht, aber ich habe einen Kalender, in dem bestimmte Themenbereiche mit einer bestimmten Farbe markiert werden. Schultermine sind zum Beispiel alle gelb. Die meines Mannes auch. Die Arzttermine sind pink und die Hobbies mit grünem Textmarker versehen. Alles andere bleibt normal. So habe ich in etwa einen Überblick und hoffe, es kollidiert nicht zuviel. Und dann habe ich einen wunderbaren Mann an meiner Seite, der hier auch wahnsinnig viel übernimmt. So fährt er zum Beispiel am Donnerstag abends zum Geigenunterricht mit der Prinzessin (8) oder übernimmt den Schwimmkurs mit dem Zwerg (6).

Und manchmal muss ich auch einfach sagen: Sorry, das geht nicht. Es ist zuviel, überschneidet sich oder geht gerade aus anderen Gründen nicht. Dann streiche ich Termine und entzerre so einzelne Tage, damit wir auch mal als Familie durchatmen können.

Wie würdest Du deinen Erziehungsstil beschreiben?

Als erstes fällt mir da ein: temperamentvoll. Aber auch liebevoll, fürsorglich und konsequent. Es gibt bestimmte Dinge, die sind mir extrem wichtig und andere Dinge lasse ich in der Erziehung schleifen. Ich mag es zum Beispiel überhaupt nicht, wenn man unpünktlich ist oder seine Überlegenheit bewusst ausspielt, um den anderen klein zu machen. Dann bin ich auch streng und nehme denjenigen aus der Situation und zu einem Gespräch, dass es so nicht geht und man sich auf ihn verlassen möchte. Dagegen ist es mir fast komplett wurscht, ob die Kleidung beim Spielen dreckig wird oder ob die Kinder im Oktober noch barfuß laufen. Wenn es ihnen kalt ist, werden sie schon Schuhe anziehen. Und wir Eltern, seien wir mal ehrlich, greifen viel zu oft ein, obwohl Kinder viel leichter selbst zu der gleichen Erkenntnis kommen würden – und ohne Diskussion – wenn wir sie ab und an einfach mal machen lassen würden.

Welches sind deine größten Herausforderungen mit den Kindern und allgemein?

Die größte Herausforderung ist tatsächlich, allen Kindern irgendwie gerecht zu werden. Sich bewusst für jedes Kind Zeit einzuplanen. Da kann es dann schon mal sein, dass ich den Zwerg und den Frosch (4) mit Tablets in die Zimmer schicke – sie lieben das nebenbei – um mit meinen Mädels auf dem Sofa zu kuscheln und einfach zu reden, wie der Tag war. Und manchmal schlüpfe ich auch abends noch für 5-10 Minuten in die Betten der Kinder, tausche mich mit ihnen aus, gebe einen Kuss auf die Stirn und sage ihnen, dass ich sie lieb habe. Und dennoch schlüpft immer wieder eins durchs System. Wenn das Baby zum Beispiel wieder zwei Stunden durchgeweint hat und der Frosch an mir zuppelt und ich gerade nicht kann. Das tut mir immer furchtbar leid für die Kinder, wenn sie mich gerade bräuchten, aber ein anderes Kind braucht mich gerade mehr. Doch ich denke, im Allgemeinen und auf lange Sicht bekommt jedes der 5 Kinder die Zuwendung und Aufmerksamkeit, die es braucht.

Wie reagieren andere Leute auf eure 5 Kinder? Was habt ihr schon Alles erlebt?

Ach, hier im Dorf gibt es genügend Lästerbacken, die es nicht verstehen können, dass wir uns bewusst für eine so große Familie entschieden haben. Hier hab ich sogar schon einmal darüber geschrieben: https://www.puddingklecks.de/grossfamilien-menschen-zweiter-klasse/ Wobei mir wirklich oft auffällt, dass das wohl an der Gegend liegen muss. Denn egal, wo wir bisher im Urlaub waren, es waren nie so schräge Blicke und Kommentare dabei wie hier.

Mamazeiten - Familien im Interview

Du legst sehr viel wert auf gesunde Ernährung und auf deinem Blog, gibt es tolle Rezeptideen zum nachmachen. Kannst Du berufstätigen Familien Tipps geben, worauf sie achten können, worauf es ankommt?

Man muss kein 5-Gänge-Menü zaubern. Ehrlich nicht. Kinder sind oft mit den einfachsten Sachen, wie Nudeln mit Tomatensoße zufrieden. Und die kann man ziemlich leicht aufwerten. Ich schneide zum Beispiel verdammt oft einfach Gurke oder Tomaten mit auf den Teller. Viele Dinge kann man aber auch einfach so kochen, dass man zwei Tage damit abgedeckt hat oder einen Teil davon einfriert. Solche Dinge wie Soßen koche ich auch am Wochenende in rauen Mengen und fülle sie heiß in Schraubgläser und verschließe diese ganz schnell. Ist der Deckel eingezogen, hält sich das kühl gelagert locker 3 Monate. Das klappt übrigens auch wunderbar mit Eintöpfen, Suppen und dergleichen.

Und was mir dabei auch wichtig ist: Man bekommt im Netz so viele tolle Vorschläge für ausgestochene Pausenbrote, warme Speisen, die einem Gemälde gleichen und aufwendig gestalteten Mahlzeiten, damit die Kinder ja Spaß am essen haben. Aber das haben sie auch, wenn sie mit anpacken und sich austesten dürfen. Ohne dass man viel Zeit in Sternchenbrote und Toastbrötchen mit Zuckeraugen investieren muss.

Bevor ich es vergesse, erwähne ich es lieber noch schnell. Im Zweifel lieber TK-Obst und Gemüse statt Dosen kaufen, denn in den Dosen ist meist weit mehr Zucker zugesetzt als im TK-Produkt. Und bestimmte Marken haben ganze Menüs, die gesund und ausgewogen und außerdem ohne zig Zusatzstoffe sind.

Gesunde Ernährung kostet Zeit - Wie schaffst Du es, mit fünf Kindern, dennoch ausgewogen zu kochen?

Das ist es ja, es braucht nicht wirklich mehr Zeit. Klar, Gerichte, die gekocht werden, wenn Gäste kommen, sind meist zeitintensiver, aber im Allgemeinen halten sich die Zeiten mit wirklicher Arbeit in der Küche in Grenzen. Gemüsesuppe klappt auch wunderbar mit TK-Gemüse (das nebenbei oft günstiger ist und durch das Schockfrosten mehr Vitamine behält als lange im Kühlschrank gelagertes). Kartoffeln kochen auch ohne mein Zutun im Topf und in der Zeit kann man einen Kräuterquark anrühren.  Und ein Wochenplan hilft, die Mahlzeiten sinnvoll zu planen. Würden wir spontan entscheiden, gäbe es wohl mindestens 2x die Woche Pommes und 2x Pizza.

Dazu kommt, dass es für die Kinder ganz normal ist, mitzuhelfen. Die Prinzessin schält für ihr Leben gern Kartoffeln. Woher sie das hat? Keine Ahnung, aber ich freue mich. Der Frosch bewacht gern die Töpfe und rührt um. Und wenn mal keine Zeit bleibt, weil hier ein Krankenlager eingerichtet wurde, dann gibt es eben auch mal nur Butterbrot oder Salzstangen mit Frischkäse. Ich glaube, das Ganze sollte man einfach nicht zu dogmatisch sehen.

Viele Menschen denken, gesunde Ernährung kostet sehr viel Geld. Wie viel gebt ihr in der Woche ca. für euren Lebensmitteleinkauf aus und kannst Du Tipps geben, wie die Leute Geld sparen können?

Eines der wichtigsten Dinge ist, planvoll einzukaufen. Planvoll und saisonal. Gerade sind ja die ganzen Kohlsorten wirklich zum Schleuderpreis. Und Basics, wie Reis, Kartoffeln und Nudeln kosten im Angebot wirklich kaum was. Wenn dann noch Standarddinge, wie passierte Tomaten, Naturjoghurt und Eier dabei sind, kann man schon ganz viel zaubern. Gerade unverarbeitete Lebensmittel sind oft weit günstiger als der Fertigkram – und man weiß, was drin ist. Wobei ich aber nie sparen würde, ist Fleisch. Bei uns gibt es das eben ganz selten, weil es mir wichtig ist, wie die Tiere leben, bevor sie geschlachtet werden. Dementsprechend ist dann eben auch der Preis beim Metzger, der mir den Hof, den Namen des Tieres und sein Alter nennen kann. Also lieber darauf verzichten als günstiges Fleisch vom Discounter.

Wir geben in der Woche etwa 80-100 Euro rein für Lebensmittel aus. Aber wir greifen eben auch oft zu günstigen Varianten und lassen die Marken stehen, dazu bleiben Fertigprodukte im Laden und es werden nur Grundnahrungsmittel gekauft. Durch den Wochenplan und einen Einkaufszettel wandert dann auch nicht oft ungeplantes mit in den Einkaufswagen. Denn ehrlich, hier ne Schokolade, da der Fertigpudding und vielleicht noch ein Kaffee, weil der Einkauf anstrengend war – das summiert sich und geht auf Dauer gut ins Geld.

Hast Du dir dein Wissen selbst angeeignet?

Ernährung war bei mir schon immer ein großes Thema, aber vor ein paar Jahren habe ich dann über eine Fernschule den Ernährungsberater gemacht, einfach um da fundierter argumentieren und arbeiten zu können.

Möchtest Du den Lesern/Lerserinnen noch Etwas mitteilen?

Leben und leben lassen. Ob man keines, eins oder 10 Kinder hat, es geht keinen was an außer die beiden, die ihre Zukunft gemeinsam gestalten wollen. Ich wünsche mir mehr Toleranz, Offenheit und weniger Lästereien hinterm Rücken. Und ich fände es toll, wenn sich gerade Eltern auch mehr Gelassenheit aneignen würden. Mein Weg ist nicht deiner und deiner nicht meiner. Solange sich alle damit wohl fühlen, keiner vernachlässigt oder angegriffen wird, ist doch alles super.

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