Kindergartenkonzepte – neue Blogreihe Kindergarten

In meiner neuen Blogreihe “Kindergarten”, möchte ich wöchentlich interessante Artikel zu dem Thema veröffentlichen. Es wird Interviews mit Familien geben, die ihre Erfahrungen schildern und auch neue Eindrücke von Familien, die “kindergartenfrei” aus Überzeugung leben. Wo ist der Unterschied zwischen Kindergarten und Kinderladen.  Der heutige Blogbeitrag dreht sich um die verschiedenen Kindergartenkonzepte. Viele kennen sicherlich nur den “klassischen Kindergarten” mit geschlossenen oder offenen Gruppen. Es gibt aber weitaus mehr Auswahl.

  • Klassischer Kindergarten (offenes und geschlossenes Konzept)
  • Bauernhofkindergarten 
  • Waldkindergarten
  • Kneipp – Kindergarten
  • Waldorfkindergärten
  • Montessori-Kindergärten
  • Reggio Approach
  • Kindergärten nach bestimmten Ansätzen (Emmi-Pikler, Freinet, Fröbel)
  • Spielzeugfreier Kindergarten
  • Early Exellence Konzept
  • Bewegungskindergarten
  • kindergartenfrei  

Was ist ein Kinderladen? Wie unterscheidet sich ein Kinderladen zum Kindergarten?

Der Unterschied besteht darin, dass ein Kinderladen ist selbstverwaltet, meist durch einen Trägerverein. Heute auch bekannt als Elterninitiativ-Kindertagesstätte (EKT). Das bedeutet, dass die Verwaltung des Kinderladens in der Verantwortung der Eltern liegt. Die Eltern können bspw. kochen, die Wäsche waschen, kochen, putzen oder kümmern sich um die Finanzbuchhaltung. Die Kinderbetreuung selbst wird durch Fachpersonal/ Erzieher gewährleistet, wobei Eltern auch hier in Krankheitszeiten in der Betreuung unterstützen. Die Gruppen haben meist eine Stärke von ca. 15- 18 Kinder. Für die Eltern ist der Vorteil, dass sie aktiv das Geschehen mit beeinflussen und gestalten können und einen Einblick in das tagtägliche Kinderladenleben bekommen. Der Kinderladen gilt als Alternative zum klassischen Kindergarten. 


Die bekanntesten Kindergartenkonzepte 

Klassischer Kindergarten (offenes und geschlossenes Konzept)

In einem Kindergarten gibt es meist mehrere Gruppen mit lustigen Namen, wie bspw. Schneemänner, Füchse oder die Dinogruppe. In diesem Fall wird von einem geschlossenen Konzept gesprochen. Die Kinder haben ihre festen Erzieher, in einer Gruppenstärke zwischen 20 – max. 25 Kindern. Die Gruppe erlebt den Tag gemeinsam und es gibt gruppenspezifische Rituale. Die Gruppe hat eigene Räumlichkeiten, die tagtäglich genutzt werden. Wenn es bspw. eine Turnhalle in der Einrichtung gibt, gibt es Belegungspläne für die einzelnen Gruppen. Besonders schüchterne und sensible Kinder erfahren durch die konstante Gruppe Sicherheit. Eltern haben ebenfalls direkte Ansprechpartner. Meist treffen sich die verschiedenen Kindergartengruppen zum Freispiel auf dem Außengelände. 

In einem offenen Konzept sehen den Kindern alle Räumlichkeiten zur Nutzung zur Verfügung. Häufig werden Projektthemen wie Basten, turnen, singen oder malen angeboten, so dass die Kinder ihren eigenen Interessen nachgehen können. Es gibt keine festen Gruppen, die den Tag gemeinsam erleben. Lediglich zum Morgenkreis und ggfls. zum Mittagessen treffen sich “Gruppen”, die konstant in der Zusammensetzung bleiben. Die Kinder kommen mit Kindern in Kontakt, bekommen tagtäglich ein großes Angebot zur Auswahl und können sich ausprobieren. Auf der anderen Seite, sind aber tagtäglich einer hohen Lärmbelästigung ausgesetzt. Besonders unsichere und schüchterne Kinder haben keine festen Bezugspersonen und Rituale. 

Bauernhofkindergarten

Wie der Name schon sagt, befinden sich diese Art der Kindergärten oft auf landwirtschaftlichen Höfen oder in der Nähe. Die Kinder lernen mit Tieren und Pflanzen umzugehen und die Gruppe bewirtschaftet oft einen eigenen Acker oder Garten und pflegt eigene Kindergartentiere wie Meerschweinchen oder Hasen. Generell stehen die Natur erfahren und die Landwirtschaft im Vordergrund. (Quelle)

Waldkindergarten

In einem Waldkindergarten sind die Kinder den größten Teil ihres Kindergartenalltages im Wald. Nur wenn es witterungsbedingt gefährlich oder fahrlässig wäre, steht meist ein Bauwagen als Wetterschutzhütte zur Verfügung.  Die Gruppenstärke liegt bei maximal 20 Kindern und 2 Erziehern. Spielzeug gibt es im Waldkindergarten nicht. Die Kinder spielen mit Naturmaterialen, können klettern oder balancieren und lernen sehr viel über den Wald und die Natur. 

Kneipp – Kindergarten

Sebastian Kneipp, ein bayrischer Priester, entwickelte dieses Kindergartenkonzept mit dem Fokus auf Gesundheit, das vorbeugen und verhindern von Krankheiten und gesundheitliche Denken und Handeln. Es basiert auf 5 Säulen:

  1. Säule: Die Kinder erhalten gesundes und vor allem ausgewogenes Essen – auch Ernährungstipps an die Eltern werden gegeben
  2. Säule: Kräutergarten. Die Kinder bauen selbst Heilkräuter an, lernen die Verwendung und Nutzung der Kräuter
  3. Säule: Kneippkuren: Die Heilung von Wasser durch Wasser treten, ist ebenfalls Bestandteil, ebenso wie Ausflüge mit dem Thema Wasser
  4. Säule: Bewegung: Bewegung für Kinder erhält die Gesundheit. Daher ist Aktivität ein wesentlicher Baustein 
  5. Säule: Ordnung: Die Kinder räumen den Gruppenraum tagtäglich auf. Ordnung für einen bewussten Lebensrythmus

Körper – Geist und Seele müssen im Einklang sein. Das ist das Ziel der Kneipp – Kindergärten

Waldorfkindergarten

In Anlehnung an die Waldorfschulen, sind Waldorfkindergärten entstanden.  Feste Abläufe, Rituale und Wochenabläufe im starken Bezug auf die Jahreszeiten, bilden den Tagesablauf . Ähnlich wie an den Waldorfschulen, sind Kreativität, Handwerk und Kunst eine Konstante. Erzieher werden als Vorbild gesehen und das Prinzip der “Nachahmung” steht im Mittelpunkt. Spielzeug besteht häufig aus Naturmaterialien, wie Filz, Holz oder Wolle. Auch der bekannte Ausdruckstanz “Eurythmie”, ist bereits fester Bestandteil im Alltag der Kindergartenkinder. Waldorfkindergärten können sowohl privat, als auch staatlich sein. 

Montessori Kindergarten

“Hilf mir es selbst zu tun” – diesen Satz prägte einst Maria Montessori und ist heute noch Leitgedanke der Montessoripädagogik. Hilfestellung geben aber selbständig an die Dinge heran gehen. Jedes Kind ist ein Individuum und in einem Montessori Kindergarten stehen zwei Kriterien im Fokus: Verantwortung und Hilfsbereitschaft. Die Kinder entscheiden eigenständig, ob es spielen , in der Gruppe oder alleine oder ob es basteln, malen oder einer anderen Beschäftigung nachgehen möchte. Erzieher loben und tadeln nicht, sie unterstützen die Kinder in ihren Entscheidungen und leisten Hilfestellungen. Es gibt Montessori Materialien bspw. zum rechnen oder schreiben lernen. Das eigenstständige lernen ist ein wichtiger Aspekt. 

Reggio Approach

Selbstbestimmung – das Kind bestimmt eigenständig den Tagesablauf im Reggio Kindergarten. Erziehung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Ähnlich wie an einer freien Schule, können die Kinder in Projekten lernen und Experimente veranstalten. Die Erzieher unterstützen sie dabei und helfen auf Nachfrage. Vorbereitete Räumlichkeiten helfen, dass die Kinder sich zurück ziehen, künstlerisch tätig oder zusammen zum spielen kommen können. Das Kind kann jederzeit frei wählen und den Tag eigenständig erleben. 

Kindergärten nach bestimmten Ansätzen (Emmi-Pikler, Freinet, Fröbel)

Es gibt viele verschiedene Ansätze, nach denen ein Kindergarten geleitet werden kann. Die wohl Bekanntesten, möchte ich kurz vorstellen.  Die wesentlichen Unterschiede und Ansätze (stichpunktartig) sind:

Emmi-Pikler: Die Kinder sich entwickeln lassen und der Natur vertrauen. 

Freinet: Gemeinsam erleben und die eigene Persönlichkeit entfalten. Aufeinander zu gehen und gemeinsame Aktivitäten. Bekannte Methoden im Schulalltag sind die Klassenkorrespondenz oder Schuldruckerei. Die Kinder können frei und selbstbestimmt arbeiten und den eigenen Rhythmus finden. Die Notwendigkeit von Regeln und demokratisches Verhalten sind auch Bestandteile. Der Kindergarten wird in Anlehnung an diese Pädagogik nach Freinet gelebt. 

Fröbel: Friedrich Fröbes gilt als Begründer des “Kindergartens”. Sein Fokus lag auf der “erziehenden Familie”. In seiner Pädagogik beinhaltet Bindung, Erziehung und Betreuung. Er entwickelte die dreidimensionalen Formen Zylinder, Kugel und Würfel, die heute noch Vorbild für viele Kinderspielzeuge sind. Wesentlich in den Fröbel Kindergärten ist das Erwachsene mit spielen und die Kinder jederzeit unterstützen. Auch heute noch gibt es Fröbes – Kindergärten, die sein pädagogisches Konzept umsetzen. 

Es gibt noch weitere Ansätze bspw. nach Korczak, Piaget oder Pestalozzi uvm. 

Spielzeugfreier Kindergarten

In Zeiten von Kinderflohmärkten, können die Kinder sich meist vor Spielzeug nicht retten – zumindest ist es bei uns zu Hause so. Spielzeugfreier Kindergarten ist ein Projekt, dass einige deutsche Kindergärten jährlich durchführen. In einem Zeitraum von drei Monaten, sind die Kinder ohne Spielzeug auf ihre Kreativität angewiesen und haben die Möglichkeit, ohne Konsumgüter den Kindergartenalltag zu erleben. Normale Alltagsgegenstände können genutzt werden. Weiterführende Informationen gibt es auf www.spielzeugfreierkindergarten.de  In unserem Kindergarten gibt es spielzeugfreie Wochen – für mich persönlich eine bereichernde Erfahrung für Kindergartenkinder.

Early Exellence Konzept

Das so genannte Early Excellence Centre (EEC) besteht aus Kindertagesstätte, Elternschule und Gesundheitsvorsorge. Zusammenarbeit der Eltern, Angebote für die Familie (bspw. Elterncafes, Feste oder Themen-Elternabende) sind fester Bestandteil des Projektes. Familiennetzwerke und integrative Familienarbeit sowie die Verbesserung und Betreungs- und Bildungsqualität sind Ziele des EEC. Die Eltern werden als die “ersten Erzieher” des Projektes gesehen und partnerschaftlich auch in die pädagogische Arbeit mit einbezogen. Bei Bedarf erhalten sie Elternbildung und auch Familienhilfe. Weitere Informationen gibt es hier.

Bewegungskindergarten

Wie der Name schon sagt, geht es bei diesem Konzept um Bewegung und die Förderung der motorischen Fähigkeiten. Sport und die natürliche Unterstützung der kindlichen Entwicklung werden unterstützt.

kindergartenfrei

Die Eltern betreuen ihre Kinder selbst zu Hause. Viele mögen nun denken, die armen Kinder, keine Sozialkontakte, keine Freunde und immer nur zu Hause. Wie sollen die denn in der Schule klar kommen? Diese ganzen Vorurteile gibt es, denn meiner Meinung nach, haben wenige Familien überhaupt die Option, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Natürlich gehört der Kindergarten mittlerweile zum Familienleben dazu – ob das aber für die Kinder der richtige Weg ist? Zum Thema “kindergartenfrei” wird es in der kommenden Zeit noch einen ausführlichen Beitrag geben. Seit gespannt. 


Fazit – Kindergartenkonzepte

Wer die Qual hat, hat die Wahl – es gibt eine Vielzahl an Kindergartenkonzepten, jedes unterscheidet sich mehr oder weniger von den anderen Ansätzen. In einer Kleinstadt oder dörflicher Umgebung gibt es oft nicht die große Auswahl. Allerdings lohnt es sich schon, die einzelnen Einrichtungen anzusehen und die Konzepte zu erfragen. Jeder Kindergarten hat eine eigene Philosophie und legt wert auf bestimmte Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit. Auch gibt es zahlreiche Kindergärten mit offenen oder geschlossenem Konzept. Innerhalb der Einrichtung gibt es entweder Standards oder jede Gruppe darf individuell den Kindergartenalltag bestimmen. Ich selbst war sehr überrascht, wie viele verschiedene Kindergartenkonzepte es eigentlich gibt und habe für unseren Kindergarten feststellen können, dass sie einiges übernommen haben. So gibt es bei uns Waldwochen oder auch spielzeugfreie Wochen. 


Im nächsten Blogbeitrag beschäftige ich mich mit der Auswahl des Kindergartens – worauf kommt es eigentlich an?

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