Interview Blogreihe Familie: “Wir lassen uns Erlebnisse schenken” – berufstätige Eltern und Minimalismus
Ich freue mich sehr, dass ich so viele Familien gewinnen konnte, die über ihr Leben berichten möchten. Heute gibt es erneut ein Interview aus der Blogreihe Familie “So leben und lieben Familien in Deutschland”. Diana ist Mama von zwei Mädchen (4 und 2 Jahre alt). Ihr Mann und sie, sind Beide berufstätig und studieren nebenbei. Im Interview erzählt Euch Diana, wie es mit Job und den Kindern klappt aber auch von ihrer Einstellung zu Konsumgütern und Erziehung. Natürlich könnt ihr Diana auf ihrem Blog, facebook oder Instagram besuchen.
 
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Interview

Bitte beschreibe kurz Deine Familie. Was tust Du beruflich, wer gehört zur Familie, wie ist euer Lebensstil bzw. – einstellung?
Zu unserer vierköpfigen Familie gehören mein Mann, meine zwei Töchter (4 und 2) und ich. Wir sind vergleichsweise junge Eltern, reisen gerne und sind vielseitig interessiert. Ich würde uns als recht entspannt bezeichnen. Das heißt aber nicht, dass unsere Kinder alles zu jeder Zeit einfach tun dürfen.
 
Was bedeutet für Dich Familie?
Familie bedeutet für mich am Sonntagnachmittag immer jemanden zum Spielen zu haben. Man muss nicht erst jemanden anrufen. Alle wichtigen Menschen sind bereits da. 
 
Dein Mann und Du seit beide berufstätig und nebenbei selbständig. Was macht ihr beruflich und selbständig?
Mein Mann ist ITler und damit beschäftigt er sich sowohl angestellt also auch nebenberuflich selbstständig. Egal, welches technische Problem es zu lösen gibt, er kann es. Ich gestalte angestellt Websites und nebenberuflich blogge ich oder helfe Unternehmen beim Corporate Design und mit Bildern und Grafiken.
 
Wie können wir uns Euren Familienalltag vorstellen – zwischen Arbeit und Kindern?
Wir hängen beruflich viel am Rechner. Nach 6 Stunden im Büro treffen wir uns zu viert auf dem Spielplatz oder zu Hause. Dann bleibt die Kiste erstmal aus. Wenn die Kinder schlafen, arbeiten wir meist die zweite Schicht. Wir wechseln uns mit dem Bringen und Abholen ab – je nachdem welche Termine bei uns anstehen.
 
Eure Kinder gehen zu einer Tagesmutter bzw. in den Kindergarten. Habt ihr Euch bewusst für eine Tagesmutter entschieden oder habt ihr keinen Krippenplatz bekommen?
Wir haben uns bewusst für eine Tagesmutter entschieden. Bei der Großen war um ihren 2. Geburtstag nach einem Jahr der Zeitpunkt gekommen, von Tagesmutter in die Kita zu wechseln. Das hat sich später auch als absolut richtige Entscheidung herausgestellt. Die Kleine geht nun auch schon ein gutes Jahr zur Tagesmutter. Sie fühlt sich aber so wohl dort, dass wir ihr die Zeit bis zu ihrem 3. Geburtstag dort ermöglichen werden. Wir hatten den Geschwisterkinderplatz in der Kita bereits und haben ihn dann wieder abgesagt, da sich die Kita einfach nicht richtig angefühlt hat. Auch über diese Entscheidung sind wir bis heute glücklich, wenn auch der logistische Aufwand morgens und nachmittags dadurch sehr viel größer ist.
 
Würdest Du deine Kinder lieber zu Hause behalten oder wie denkst Du über Fremdbetreuung und Kindergarten?
Tatsächlich arbeite ich einen Tag in der Woche fast gar nicht und betreue meine Kinder selbst. Die Große kann es sich aussuchen, ob sie mit mir und ihrer kleinen Schwester zu Hause bleibt oder in den Kindergarten geht. Meine Kinder fühlen sich wohl in der Kita und bei der Tagesmutter. Das merke ich einfach. Und sie profitieren von den verschiedenen Angeboten. Ich bin ehrlich: dafür wäre ich Vollzeit gar nicht gemacht. Außerdem arbeite ich auch viel zu gern. Trotzdem sehe ich noch Verbesserungsbedarf. Gern würde ich die Kinder langfristig nur an 2-3 Tagen außerhalb der Familie betreuen und lernen lassen und den Rest schaffen wir selbst. Leider ist das beruflich momentan noch nicht möglich, aber wir arbeiten darauf hin.
 
Ihr lebt minimalistisch. Wie können wir uns das vorstellen?
Das heißt nicht, dass unsere Wohnung leer ist. Es heißt, dass wir sehr gut abwägen, was wir kaufen. Dann höre ich auch mal in mich und uns hinein: “Brauchen wir das wirklich? Wie oft würde ich es benutzen? Was möchte ich mit diesem Konsum kompensieren?” Und wenn etwas dazukommt, muss etwas anderes raus. Dann verkaufen wir zum Beispiel ein Spielzeug oder verschenken was. Die Kinder sollen nicht ständig neues bekommen und irgendwann in dem ganzen Kram ersticken. Wir Erwachsenen lassen uns auch keine Gegenstände schenken: nur Erlebnisse oder Dinge, die VERbraucht werden. 
 
Leben Eure Mädels auch minimalistisch bspw. weniger Spielzeug usw.? Welche Vorteile siehst Du darin?
Bei den Kindern versuchen wir auch darauf zu achten, aber sie sind noch klein und verstehen es noch nicht so gut. Sie besitzen auch einfach gern Dinge und das ist gut so. Wie soll man sonst lernen, dass man auch abgeben muss, wenn man nie etwas besessen hat? Ich denke schon, dass sie weniger haben als andere Kinder. Einen Vorteil sehe ich darin, dass ich ihnen die minimalistische Denkweise beibringe und ihnen hoffentlich so helfe, irgendwann einmal nicht zu Konsumopfern zu werden, die ihre Kreditkarte für die nächste Gucci-Tasche ausreizen statt gesundes, qualitativ hochwertiges Essen zu kaufen.
 
Ihr „sammelt lieber Erinnerungen als Dinge.“ Welche Erinnerungen wären das bspw.?
Ich hatte vor 8 Jahren mal eine Art Nahtoderfahrung. Damals habe ich das Dengue-Fieber bekommen, lag bei über 30 Grad in einem Hostelzimmer in Malaysia und fieberte vor mich hin. Ich sah tatsächlich Bilder meines Lebens an mir vorbeiziehen. Dann sah ich meine Eltern und durchlebte meine Kindheit nochmal sehr intensiv. Ich fing an zu weinen wie ein Schlosshund. Ich wollte nicht sterben und vor allem nicht so! Schon wegen meiner Eltern. Draußen hörten mich meine Zimmernachbarn und da sie zufällig Rettungssanitäter waren, bemerkten sie schnell, dass es mir sehr schlecht ging. Sie brachten mich gleich ins Krankenhaus.
 
Nach dieser Erfahrung habe ich mir gedacht, dass ich wunderschöne Erinnerungen sammeln und mir so ein richtiges Kino-Feuerwerk schaffen möchte, wenn ich mal ins Gras beiße. Kein Mensch wird am Ende seines Lebens mal sagen: “Hätte ich doch noch diese Rolex gekauft.”
 
Alles was Du besitzt, besitzt irgendwann Dich. Wie stehst Du zu diesem Satz?
Das sehe ich ganz genauso. Um jeden Gegenstand, den ich anschaffe, muss ich mich kümmern. Ein Tablet zum Beispiel mag eine schöne Anschaffung sein, aber es muss aktualisiert und aufgeladen werden. Wenn man zu viele von solchen Dingen besitzt, nehmen sie irgendwann sehr viel Zeit ein. Sie nehmen einen regelrecht in Besitz. Diese Gedanken mache ich mir oft vor größeren Anschaffungen.
 
Foto Diana – Zweitöchter

Du hast mir erzählt, dass ihr die Geschenke der Kinder auch innerhalb der Familie klar vorgebt. Wie können wir uns das vorstellen? Gibt es ein Budget, eine Anzahl an Geschenken usw.?

Mittlerweile hat sich unser Umfeld daran gewöhnt und halten unsere Regeln ein. Es gibt eine ganz klare Wunschliste oder sie zahlen größere Beträge auf die Konten der Kinder ein. Sie dürfen uns keinen Schnulli schenken und erst recht nicht das 5. Elsa-Kleid oder sowas.
Wir würden uns auch über ein 10er Set Bambuszahnbürsten für die Kinder freuen. Warum nicht? Dann erinnern sich die Kinder 2 Mal am Tag: “Die Zahnbürste hat uns Oma geschenkt!”
 
Kannst Du dir vorstellen, deine Kinder ohne Strafen und Konsequenzen zu erziehen? 
Konsequenzen folgen ganz automatisch auf Verhalten. Selbst wenn nicht wir Eltern diejenigen sind, die die Konsequenzen ziehen. Wenn mein Kind beispielsweise mit seinem Eis in der Hand rumturnt, obwohl ich darauf hingewiesen habe, dass es sich hinsetzen soll und nun sein Eis herunterfällt, dann ist die Konsequenz, dass es kein Eis mehr hat. Ich kaufe dann auch kein neues. Das mag dann die Strafe sein. Klassische Strafen gibt es bei uns nicht. Es fühlt sich nicht richtig an. Und wir brauchen sie auch irgendwie gar nicht.
 
Habt ihr ein Lebensmotto?
Als Familie nicht, aber mein Lebensmotto ist: “Dream big if you want to make it high.” Oft erwische ich mich dabei zu klein zu denken. Dabei sollten wir immer nach den Sternen greifen, damit wir zumindest beim Mond ankommen 😉
 
Welche Zukunftspläne habt ihr?
Wenn mein Mann seinen Master abgeschlossen hat, möchten wir nach den Sternen greifen. Aus Rücksicht auf unsere Familien und Arbeitgeber möchten wir aber noch nicht zu viel verraten.
 
Wie definierst Du Glück?
Für mich ist Glück, wenn meine Kinder am Ende des Tages gesund und froh im Bettchen schlummern und ich ihnen einen schönen Tag bereiten konnte. Manchmal sagen sie mir das auch schon. Dann hüpft mein Herz!
 
Möchtest Du uns noch etwas mitteilen? 
Das Leben mit Kindern ist manchmal sehr anstrengend, aber es gibt mir persönlich so viel Tiefe, Lebensfreude und Erfahrung. Niemals und für kein Geld der Welt würde ich die Zeit zurückdrehen und kinderlos leben wollen.
 
 
Diana, ganz herzlichen Dank für das Interview und deine Teilnahme. Wer Interesse hat, an der Blogreihe teilzunehmen und von Eurem spannenden Familienleben zu berichten – ob Blogger oder nicht- meldet Euch bei mir unter mail@mamazeiten.com. Ich freu mich sehr auf Nachrichten von Euch. 
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