“Mein Kind hat Morbus Crohn – chronische Darmentzündung” Interview mit Jasmin

Nach einer kleinen Schaffenspause, möchte ich Euch heute, in meiner Blogreihe Familie,  Jasmin (31 Jahre) vorstellen. Sie ist selbständig als Aktienbroker und Mamablogger und ist  Mama von drei Kindern (4 und 2 Jahre sowie 6 Monate). Ihre Kleine leidet an Morbus Crohn – einer chronischen Darmentzündung. Im Interview hat sie über die Erkrankung ihrer Tochter berichtet. Außerdem erhalten wir einen Einblick in ihr Familienleben. Jasmin, ich danke Dir für die offenen Worte und Deine Teilnahme an der Blogreihe “So leben und lieben Familien in Deutschland“.

Von meiner Seite aus kann ich es nur erneut erwähnen: Ich zeige die Familien so wie sie sind, in ihrer eigenen Sprache und Einstellung. Ich möchte ein authentisches Bild liefern, frei von irgendwelchen gesellschaftlichen Idealen und Vorstellungen. Auch ich befinde mich im Umbruch und überlege erneut, wie Mamazeiten zukünftig sein soll. Veränderungen stehen an aber erst, wenn ich meine Ziele in Worte fassen kann. Diese Blogreihe inspiriert mich sehr und bringt mich zum nachdenken. Ich möchte mich bei Allen bedanken, die daran teilnehmen und diesen privaten Einblick in ihr Leben einbringen. 


Nun geht es aber los – Jasmin könnt ihr im Internet besuchen – ihr verlasst dafür Mamazeiten:

 

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www.neuzeitmama.de

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Interview

Bitte beschreibe kurz Deine Familie. Was tust Du beruflich, wer gehört zur Familie, wie ist euer Lebensstil bzw. – einstellung?

Wir sind eine deutsch- italienische Familie. Ich komme ursprünglich aus Mainz und lebe seit der Geburt meiner ersten Tochter, vor vier Jahren, wieder dort mit meinen Kindern. Vorher habe ich viel im Ausland gelebt und bin viel gereist. Mein Partner Pasquale kommt ursprünglich aus Sardinien, jedoch lebte und arbeitete er, bis vor einem Jahr noch in London. Vor etwa einem Jahr hat er seinen festen Job aufgegeben und ist nun freiberuflich in verschiedenen Projekten tätig. Unser Lebensmittelpunkt war die letzten Jahre in Deutschland, jedoch verbringen wir die Sommermonate immer in Sardinien und planen unseren Wohnsitz in Deutschland, jetzt im Winter aufzugeben. Wir möchten uns mehr Freiraum schaffen, mehr Zeit um zu reisen und mehr Zeit in Sardinien verbringen. Ich verdiene im Moment mein Geld hauptsächlich mit Aktien, möchte mir jedoch gerne mit meinem Mamablog ein zweites Standbein schaffen.

Wir leben sehr im Moment, ohne viel zu planen, wahrscheinlich würde man uns eher als eine alternative Familie einordnen, jedoch behaupte ich, wir sind einfach nur eine Familie, die ihr Leben so lebt, wie wir es für uns am besten einrichten können. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch, deswegen ist es für mich immer etwas schwieriger, in einem bestimmten festgesetzten System zu leben. Für mich steht die Familie an oberster Stelle und ich möchte für uns ein freies Leben gestalten, in dem wir die Freiheit und Zeit haben, unsere Bedürfnisse aktiv zu leben, ohne zuviel Muss aus dem Aussen. Im Moment leben wir kindergartenfrei und sind auch offen für einen Weg ohne Schulsystem, jedoch sind unsere Kinder noch jung und wir werden sehen, wohin uns das Leben bringt, in den nächsten Jahren. Unser Motto: Bewusst, achtsam und frei leben.

Was bedeutet für Dich Familie?

Familie ist fuer mich sehr wichtig. Die Lebensveränderungen, die ich mit meinen Kindern und meinem Partner erleben durfte, sind einfach unglaublich. Niemals hätte ich so eine Transformation für möglich gehalten. Früher bin ich viel gereist, war sehr unruhig und auf der Suche. Jetzt bin ich angekommen. In meiner Familie erfahre ich Liebe, Herausforderung, Entwicklung und pures Glück. Ich möchte meinen Kindern ein gutes Vorbild sein, indem ich meine Bestimmung lebe und mir ein Leben schaffe in dem ich mich wohl fühle.

Deine Tochter leidet unter Morbus Crohn. Magst Du uns kurz erzählen, was das für eine Krankheit ist und welche Symptome typisch sind?

Morbus Crohn ist eine Entzuendung des Magen- Darm Trakts. Typisch fuer die Krankheit sind blutiger Durchfall oder auch Verstopfung. Die Schulmedizin hat im Moment keine Ahnung wie diese Krankheit entsteht und wie man diese heilen kann, deswegen wird sie als eine chronische Krankheit bezeichnet. Der Verlauf der Krankheit ist sehr individuell, auch die Effektivität von Medikamenten ist nicht bei jedem gleich. Es gibt Menschen, die haben einen Schub und dann nie wieder, Menschen, die müssen dauerhaft Medikamente einnehmen und andere, wo gar nichts mehr hilft und entzündete Darmteile operativ entfernt werden.Ich glaube, dass man bei dieser Krankheit sehr viel Eigenverantwortung übernehmen muss und Ärzte und Heilpraktiker nur als Berater sieht. Die Auslöser der Schübe sind auch sehr individuell und können psychosomatisch, sowie von der Ernährung kommen. Am Anfang fand ich es sehr schwierig, mit der Krankheit umzugehen, denn ich kann mich körperlich ja nur schlecht in meine Tochter einfühlen. Jedoch glaube ich, wir haben jetzt einen guten Weg gefunden fuer uns und ‘leiden’ nicht mehr an der Krankheit, sondern leben ganz gut mit dieser Diagnose.

Mit welchen Symptomen hat es begonnen?

Mit 6 Monaten hatte meine Tochter das erste Mal Durchfall mit Blut im Stuhl. Damals wurde sie noch voll gestillt. Ich habe dann auf Milchprodukte verzichtet und es wurde dadurch von selbst wieder besser. Etwa ein Jahr später hatte sie dann einen ziemlich schlimmen ‘Schub’. Wir waren etwas länger als einen Monat im Krankenhaus, lange auf der Intensivstation. Es war eine unglaubliche, intensive Zeit.

Die Zeit auf der Intensivstation war für Dich sehr schwer? Magst Du uns davon erzählen?

Ich war hochschwanger mit meiner zweiten Tochter, mein Partner in London und ich musste um das Leben meines Kindes bangen. Lianna verlor sehr viel Blut und der Durchfalll konnte nicht gestoppt werden. Sie hörte auf zu essen, zu laufen, zu krabbeln und irgendwann fühlte es sich an, als würde sie sich einfach komplett aufgeben. Sie war ganz dürr, ganz blass, sie lag nur noch da, bewegte sich gar nicht mehr und jede Menge Schläuche hingen an ihr dran. Ich war total gefangen in meinem Gefühl des Schmerzes, der Ohnmacht und Hilflosigkeit.  Es war die schwerste Zeit in meinem Leben. Ich bin unendlich dankbar, dass meine Tochter es geschafft hat und wir eine neue Chance bekommen haben, unser Leben in einem ganz neuen Bewusstsein zu leben. Ich glaube, wenn man so eine Erfahrung gemacht hat, ändert sich der Fokus des Lebens komplett und man besinnt sich auf die wichtigen Dinge des Lebens.

Du warst zu der Zeit schwanger. Wie hast Du es geschafft, dass der Stress nicht auch negative Auswirkungen auf das Baby im Bauch hatte?

Ganz ehrlich, ich habe gar nicht darüber nachgedacht. Manche Aerzte und Krankenschwestern haben zwar immer wieder gesagt, ich soll auf mich achten, dass durch den Stress nicht die Wehen frühzeitig los gehen. Aber ich war so mit meinem Schmerz beschäftigt und mit der Angst um meine Tochter, dass ich gar keinen Gedanken daran verschwendet habe, dass es irgendwelche Auswirkungen auf meine Schwangerschaft haben könnte. Im Endeffekt hatte es auch keine sichtbaren Auswirkungen, meine zweite Geburt war bisher die Schönste, die ich je hatte, sogar besser als Nummer 3. 

Wie geht es Deiner Tochter heute?

Ihr geht es im Moment sehr gut. Sie kann alles essen, wir achten aber darauf, dass sie keine Milchprodukte zu sich nimmt und nur ab und zu  laktosefreien Käse. Wir essen generell gesund, auch schon vor der Diagnose, wir kochen nur frisch und Bio. Aus diesem Grund glaube ich, dass ihre Schübe eher psychosomatisch angestossen werden bzw. mit den Impfungen zusammenhängen könnten. Sie ist generell sehr clever, feinfuehlig und sensibel. Sie hatte einen weiteren Schub letzten Herbst, den wir schnell wieder in Griff bekommen haben. Wir nutzen schulmedizinsche, sowie alternative Heilmethoden, jedoch machen wir unseren eigenen Medikamentplan und sehr viel in Eigenregie. Schulmedizinsche Produkte nur, wenn wirklich gar nichts mehr hilft und dann nur fuer eine kurze Zeit bis der Druchfall bessser wird. Für Lianna’s Heilungsprozess ist es so im Moment der beste Weg. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass sich die Krankheit bei ihr ‘verwächst’, wenn sie älter wird. Und falls nicht, wird diese Krankheit ihr immer wieder den Weg weisen, wenn sie zu sehr aus der Balance kommt. Ich bin sicher, dass sich sehr gut damit leben lässt, wenn man auf die Zeichen des Körpers hört.

Welche besonderen Vorsichtsmaßnahmen/ Einschränkungen usw. gibt es bspw. im Kindergarten, Hobbys usw.?

Eigentlich gibt es keine bestimmten Einschränkungen. Seit der Krankheit führen wir ein langsameres und bewussteres Leben, ohne viel Stress, somit für uns Alle ein besseres Leben.Ich habe mein Leben seit der Krankheit ganz neu organisiert. Für mich steht die Familie, unsere Gesundheit, vorallem unsere emotionale Gesundheit im Vordergrund. Wir schaffen uns als Familie immer mehr den Freiraum, selbstbestimmt leben zu können. Seitdem wir ganz neue Wege eingeschlagen haben, geht es uns als Familie besser.

Was hältst Du von der klassischen Schulmedizin?

Die klassische Schulmedizin hat meiner Tochter das Leben gerettet, dafür bin ich unendlich dankbar. Die Schulmedizin ist sehr wichtig für den Notfall, jedoch für eine wirkliche Heilung leider nicht wirklich effektiv. Ich glaube, es braucht ein ziemliches Umdenken bei den Ärzten und Patienten, dass dann hoffentlich auch zu einem neuen Gesundheitssystem führen wird. Ich glaube, das Gesundheitssystem wird sowieso irgendwann zusammenbrechen. Kaum einer geht noch mit einem Schnupfen zum Arzt, sondern  Krankheiten bei denen die Schulmediziner selbst im dunklen tappen, sind immer mehr auf dem Vormarsch. Dadurch müssen die Patienten viel mehr eigenverantwortlich handeln, wenn sie feststellen, dass ihnen ein gewöhnlicher Arzt nicht mehr weiterhelfen kann oder es durch die Medikamentengaben langfristig die Gesundheit sogar noch verschlechtert,  denn die oftmals ‘harmlosen’ Nebenwirkungen sind nicht ohne.

 

Habt ihr alternative Heilmethoden probiert? Welche sind empfehlenswert und welche haben Euch gar nicht geholfen?

Auf Liannas Heilungsweg haben wir wirklich viel ausprobiert.  Ich war bei verschiedenen Heilpraktikern, energetischen Heilern, Schamanen und sonstige Arten von Heilern und Methoden. Ich habe wirklich nichts unversucht gelassen, und habe dadurch gleichzeitig sehr viel erlebt und gesehen. Ich glaube, im Endeffekt hat uns fast alles irgendwie weiter geholfen, denn probieren hilft über studieren und auch wenn es vielleicht nicht so effektiv war, sind wir doch eine Erfahrung reicher. Wir mussten wirklich all das durchlaufen um unseren Weg zu finden. Lianna geht es jetzt gut, sie nimmt keine dauerhaften schulmedizinschen Medikamente und das ist die Hauptsache. 

Die Krankheit ist kurz nach einer Impfung ausgebrochen. Denkst Du es steht in einem Zusammenhang?

Es ist natürlich immer sehr schwierig rückwirkend zu sagen, ob die Impfung nun Auslöser war oder nicht. Ich war eigentlich eher impfkritisch eingestellt, jedoch wollte ich mit meiner Tochter reisen und so dachte ich, eine Tetanusimpfung wäre wichtig. Unser Arzt hat mich leider falsch informiert und gesagt es würde nicht nur eine Tetanusimpfung geben, also habe ich leider die Standard 6-fach Impfung impfen lassen. Inzwischen bin selbstbewusster und lasse meine Kinder nicht mehr impfen. Das Thema Impfen ist kein leichtes, wir wollen alle nur das unsere Kinder gesund bleiben und müssen uns da leider auf die Aussagen und Annahmen von anderen Menschen verlassen.

Wie würdest Du deinen Erziehungsstil bezeichnen?

Ich versuche sehr achtsam mit meinen Kindern umzugehen, Ich möchte sie durch ihr Leben begleiten, statt sie zu erziehen. Ich möchte, dass sie sich so frei wie möglich entwickeln können.

Meinst Du das ihr eure Tochter aufgrund der Krankheit anders behandelt und erzieht und mehr erlaubt bzw. durchgehen lasst – auch bspw. Im Gegensatz zu den Geschwistern? 

Ja, wir gehen seit der Krankheit anders mit unseren Kindern um, denn wir haben uns natürlich durch diese Erfahrung sehr verändert. Wir leben seitdem viel achtsamer, bewusster und erfreuen uns über jeden gemeinsamen Tag, den wir als Familie verbringen dürfen. Seitdem gehen wir auch viel achtsamer mit uns selbst und unseren Kindern um. Jedoch gibt es keine Unterschiede, wie wir mit jedem einzelnen Kind umgehen.

Wie definierst Du Glück?

Glück ist fuer mich Liebe. Die Momente in denen man Liebe spürt, Liebe gibt und Liebe bekommt, dass ist wahrhaftiges Glück.

Welche Gefühle löst es in Dir als Mama aus, das deine Tochter eine chronische Erkrankung hat? Magst Du uns einen Einblick in dein Gefühlsleben geben?

Angst und unglaubliche Dankbarkeit. Ich habe immer Angst vor einem neuen Schub. Ich habe immer Angst während einem Schub, es könnte schlimmer werden oder nicht mehr aufhören. Ich habe jedes Mal Angst davor, meine Tochter leiden zu sehen, Angst, dass sie Schmerzen hat und Angst, dass ich sie verlieren könnte. Deswegen lebe ich jeden Tag in tiefer Dankbarkeit, dass es ihr gut geht, dass sie keine Beschwerden hat, dass sie lacht, dass sie lebt.

Gibt es Ratschläge für andere betroffene Eltern?

Ich finde es ganz wichtig ganzheitlich zu arbeiten. Wir Menschen bestehen nicht nur aus einem Körper, ich glaube das die meisten Krankheiten seelischer bzw psychomatischer Natur sind. Wir sollten Krankheit immer nutzen um uns oder unser Leben zu veraendern. Krankheiten möchten uns immer etwas mitteilen. Ein Arzt, ein Heilpraktiker oder sonstige Gesundheitsberater sind nicht allwissend. Höre auch mal auf dein eigenes Gefühl und habe den Mut auch mal was Neues auszuprobieren oder es anders zu machen, als empfohlen. Wenn offen ist für Alles, wird die richtige Methode, die einem hilft schon zu einem kommen. Ich bin auch grosser Fan von Familienaufstellungen.

Wenn Du einen Rückblick auf diese Zeit machst, hast Du daraus eine Erkenntnis gewonnen? Welche? Wie beurteilst Du dieses Schicksal heute?

Heute bin ich sehr dankbar fÜr dieses Schicksal. Ich durft so viel dadurch erfahren , lernen und verändern. Ich konnte unglaublich daran wachsen. Wenn ich heute darauf zurückblicke, fühle ich immer noch ganz viel Schmerz, Schmerz der mich immer wieder daran erinnert was wirklich wichtig ist im Leben. Unser Leben hat sich jetzt komplett darauf ausgerichtet, dass wir uns auf die wirklich wichtigen Dinge fokussieren:  Unsere Familie, unsere Kinder und unsere körperliche und seelische Gesundheit.

Gibt es noch Dinge und Gedanken, die Du uns mitteilen möchtest? 

Wir haben alle unser Leben selbst in der Hand, nur wir selbst koennen unser Leben verändern. Wir Menschen sind ein ganzheitliches System aus Body, Mind and Soul – Körper, Gedanken und der Seele. Wenn wir Krankheiten erfahren sollten wir deshalb immer auf unsere Emotionen, unsere Kindheit oder Traumata, die wir in unserem Leben erfahren haben. Es gibt so viel zwischen Himmel und Erde, was uns Menschen beeinflusst. Ich glaube von Vielem wissen wir noch gar nicht. Gehe mit Offenheit und Neugier durchs Leben und dein Weg wird dich zu allem führen, was du brauchst um zu heilen.

Mamazeiten

Mama von drei Kindern - Zwillingen - und Wuffel

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