Hilfe – seit Schulbeginn ist mein Schulkind verändert

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  • Beitrag veröffentlicht:Dezember 31, 2019

Die schöne Kindergartenzeit – die Kinder werden morgens gebracht, umgezogen und dann heißt es spielen, spazieren gehen oder basteln. Natürlich haben sie Regeln und Abläufe aber sie können ihren Interessen nachgehen und sich die Spielpartner aussuchen. Irgendwann sind es die Großen, die sich mächtig auf die Schule freuen und das sie den Kindergarten hinter sich lassen können. Die meisten Eltern sind stolz, schauen mit Vorfreude und ein wenig flauen Bauchgefühl Richtung Schulzeit. Aus dem Kindergartenkind wird ein Schulkind. Uns Eltern wird zu dem Zeitpunkt so richtig bewusst – Wahnsinn, wie groß die Kinder schon geworden sind. Außerdem wissen wir, es fängt ein neuer Lebensabschnitt an. Keine langen Wochenenden mehr, Hausaufgaben, kein spontanes zu Hause bleiben und lernen nach Stundenplan für unsere Kinder. Entsprechend standen auch wir bei der Einschulung – stolz und mit Tränen in den Augen – so groß ist er, unser Junior. Das es Alles doch anders kommt, als wir je erwartet haben – das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 

Die ersten Wochen waren spannend – wir kannten Alle die Abläufe noch nicht, was ist richtig, worauf kommt es bei den Hausaufgaben an und auch für den junior war es aufregend. Neue Kinder, eine Lehrerin, die auf einmal mit “Sie” angesprochen werden möchte und die wohl größte Änderung – lernen nach Stundenplan. Eine Stunde Mathe, ob Lust oder nicht ,dann Deutsch – ob es Spaß macht oder nicht.  Dann zu Hause Hausaufgaben – auch Pflicht, sonst gibt es am nächsten Tag Ärger. 

Körperlich verändern sich Schulkinder auch mächtig, denn die Milchzähne fallen nach und nach aus. Hier sprechen Experten von der so genannten Wackelzahnpubertät. Den Kindern macht es zu schaffen, dass die Zähne wackeln, rausfallen oder weh tun. Der Körper wächst und eine neue Stressbelastung kommt hinzu. Manche Kinder fühlen sich, als würden sie regelrecht “auseinanderfallen”. Diese Mehrbelastung kann sich in verschiedenen Ausprägungen entladen. Manche Kinder werden jähzornig oder schnell wütend, sie schreien oder beleidigen oder delegieren ihre Mitmenschen. Sie erinnern ein wenig an die Trotzphase im Kleinkindalter. Wenn wir als Eltern aber genauer hinsehen, dann sehen wir die Überforderung mit der neuen Situation. Sie müssen ihren neuen Platz in der Gemeinschaft erst finden, sie müssen die neuen Regeln kennen lernen und verinnerlichen. Viele Kinder gehen in den Ganztag. Auch dort sind sie unter sozialen Druck, denn sie müssen mit fremden Kindern und Menschen interagieren, sich anpassen usw.. Das ist anstrengender als im Kindergarten, denn die Altersstruktur reicht von 1. bis 4. Klasse. 

Dazu treffen in der Schule, besonders in der Pause, die verschiedenen Altersklassen aber auch Kinder aus unterschiedlichen Elternhäusern aufeinander. 

Mamazeiten - Schulkind - ein neuer Lebensabschnitt

Mittlerweile wird jedes 3. Kind in der Schule gemobbt. Größere Kinder haben es auf Erstklässler abgesehen, es gibt sogar Erpressungen in manchen Schulen oder es gibt Schlägereien und Beschimpfungen. 

Das Schulleben ist härter als im Kindergarten. Auch unser junior hat schon Wörter gebracht, die ich selbst niemals sagen würde. Natürlich kennt er die Bedeutung nicht. Als Eltern wundern wir uns, welche Umgangssprache wohl in anderen Familien herrscht. 

 

Das Verhalten hat sich verändert?

Ist es also verwunderlich, dass unsere Kinder aus der Schule mit vielen neuen Eindrücken kommen, die sie selbst nicht begreifen und einordnen können? Sie wissen, dass sie Morgen hinmüssen, weil es eine Schulpflicht gibt und sie wissen auch, sie müssen den Stundenplan erfüllen. Das macht nicht jedem Kind Spaß. Es macht auch keinen Spaß sich nur an Regeln zu halten und für Fehlverhalten direkt gerade zu stehen. Oder auch Mitschüler, die irgendwas erzählen und sie dann Ärger bekommen. Sich durchsetzen, für sich einstehen und selbstbewusst sich auch gegen den 3. oder 4. Klässler durchsetzten – das erfordert Kraft, Mut und kommt nicht von einem Tag auf den Anderen.

Wenn wir einen neuen Job beginnen, dann ist es für uns auch aufregend und anstrengend. Wir kennen die neuen Kollegen und den Chef nicht. Wir wissen nicht die Gegebenheiten der Abteilung und wer mit wem kann. Wir sind vorsichtig und zurück haltend. Ähnlich geht es unseren Kindern.

Eltern von Erstklässlern sollten genau hinschauen und versuchen herauszufinden, warum das Kind gerade so reagiert. Es macht es nicht böswillig, es provoziert nicht absichtlich – es ist irgendwo überfordert, kommt zu keiner Lösung oder es ist vielleicht Etwas vorgefallen. Vielleicht verarbeitet es aber auch nur seinen Tag – vielleicht gab es einen Konflikt und es war nicht mutig dagegen anzugehen und ärgert sich am Abend. Der ganze Frust kann ausbrechen – gegenüber der Geschwister, der Eltern oder Freunden. Wir Eltern sollten dann nicht schimpfen sondern trösten, versuchen herauszufinden was los ist und vor allem Verständnis zeigen – für die neue Situation.

Das ist gewiss nicht einfach. Vielleicht setzen wir die Kinder aber noch zusätzlich unter Druck. Unsere Erwartungshaltung, die fehlende Geduld, wenn beim lesen zwei Buchstaben einfach nicht verbunden werden können oder das Rumgezappel bei den Hausaufgaben. Unser Pflichtbewusstsein, trifft auf ein Kind, dass bereits den ganzen Schultag still gesessen hat, sich mit älteren Kindern und Schulkameraden auseinander setzen musste und vielleicht noch mehr erlebt hat. Nun soll es also Hausaufgaben machen und sich wieder konzentrieren.

Für uns Eltern schwer, denn wir wissen genau – am Abend klappt es noch weniger weil zu müde und Hausaufgaben müssen gemacht werden. Aber auch hier gibt es Lösungen. Hausaufgaben in Etappen, zwischendurch eine Ablenkung, ein Wecker auf 20 Minuten gestellt, das Kind kann sich aussuchen welche Aufgaben es zu erst erledigen möchte usw.. Die Umstellung auf die neue Situation dauert – bei manchen Kindern geht es schnell und Andere brauchen länger. Mit liebevoller und geduldiger Unterstützung, ruckelt sich die Familie und auch das Schulkind in den neuen Lebensabschnitt. Wie immer ist Alles eine Phase.

Wenn also unser Großer einen gereizten Tag hat, dann hilft es uns daran zu erinnern – es ist gerade ein wenig zu viel – knuddeln hilft. Manchen Kindern auch ein Boxsack, spazieren gehen und toben oder autogenes Training. Der Stress muss raus – so wie bei uns Erwachsenen schließlich auch.