Trotzphase – Gibt es nicht! Die Autonomiephase

Ich habe einen Gastbeitrag geschrieben, der auf dem Blog von Josie von  Mama und Mehr erschienen ist. Mehr dazu später. Vorher möchte ich noch Etwas zum Thema “Autonomiephase” schreiben. Unsere Einstellung zum Thema “Erziehung” habe ich schon vor einiger Zeit erwähnt. Hier geht es zum Artikel. 

Die Autonomiephase erleben wir hier jeden Tag. Der Große mit fast sechs Jahren, ist zwar schon ein ganzes Stück weiter, in der emotionalen Entwicklung aber die Zwillinge sind mittendrin. Wir haben die klassischen Situationen, die wahrscheinlich alle Eltern kennen. Es geht morgens mit der Auswahl der Kleidung los, dann haben wir wirklich jeden Tag die Diskussion “Ich brauche keine Jacke.” Es ist mittlerweile schon sehr kalt, dass wir nicht nur eine Jacke sondern auch noch eine Mütze brauchen. Ich löse diese Situation so, dass ich meist meinen Minijunior bitte, kurz raus zu gehen und dann zu entscheiden, ob er eine Jacke benötigt. Er kommt dann mit “Huuu kalt” rein und sagt…. genau … “ich brauche keine Jacke”. Wenn er soweit fit ist, sage ich “ok” und lasse ihn so gehen. Spätestens am Auto möchte er seine Jacke bzw. frage ich dann auch noch mal nach. Bis jetzt hat er sie wirklich nur einmal abgelehnt (da war es auch noch nicht so kalt) und ich habe ihn dann mit der Jacke im Auto zudecken dürfen.

Warum mache ich das so? Es geht um Erfahrungen – die Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen.Natürlich haben wir die Verantwortung und müssen gut abwägen, wo wir sie ihre eigenen Erfahrungen machen lassen dürfen ABER die meisten Eltern nehmen den Kindern alle Entscheidungen ab. “Du ziehst bitte deine Schuhe an, deine Jacke und dann fahren wir los.” Wer würde sein Kind schon im Schlafanzug mit in den Kindergarten nehmen, weil die Kleinen selbst entscheiden möchten und sich eben nicht anziehen wollen? Genau aber das ist es, was so wichtig ist und die lieben Kleinen ihre eigenen Erfahrungen machen können. Autonomiephase heißt eben auch, dass sie sich abgrenzen und entdecken – “hey ich habe einen eigenen Willen.” Immer wenn wir als Eltern “Nein” entscheiden, sind die Kinder extrem frustriert. Die kleine Welt stürzt ein und sie bekommen einen “Wutanfall”. Das passiert aber auch, wenn die Mütze nicht auf dem Kopf bleibt, Papa sie verkehrt rum aufsetzt oder einfach, weil der gelbe Schmetterling vorbei geflogen ist. Das ist eine normale Entwicklung und ein wichtiger Schritt für unsere kleinen Menschen.

Wenn wir verstehen, dass sie nicht anders können – weil das Gehirn noch nicht rational denkt – dann fällt es uns auch viel leichter, mit diesen Situationen klar zu kommen. Die Kleinen haben noch keine Handlungsalternative – also weinen sie oder werden wütend. Werden sie geärgert, hauen oder beißen sie zu – sie sehen rot und haben noch nicht gelernt, wie sie einen Konflikt anders lösen können. Wie gehen wir Eltern also damit am besten um, wenn der junior im Supermarkt auf dem Boden liegt, die Leute gucken und vielleicht sogar sagen: “Das können Sie sich doch nicht gefallen lassen. Dem Jungen müssen Sie mal paar Grenzen zeigen”.

Was also tun? 

Die Antwort klingt vielleicht banal – mit Verständnis – und -Geduld -. Je nachdem, ob ein Kind sich trösten lassen möchte oder nicht, hilft es:

  • In den Arm nehmen
  • Daneben sitzen und die Gefühle benennen “Ich verstehe das Du wütend und traurig bist.” “Du bist jetzt wütend”
  • Kein “Aber” oder eine Belehrung oder Erklärung hinter her schieben – das Kind hört in dem Moment sowieso nicht zu
  • aushalten – so merkwürdig es auch klingen mag – wir Eltern neigen dazu, auf das Kind einzureden, selbst unter Stress zu geraten oder mit Konsequenzen zu drohen Uns muss aber bewusst sein – ein “nein” legt sozusagen einen Schalter um. Das Kind durfte nicht selbst entscheiden und die Kontrolle haben, es ist auf die Sache fokussiert “ich will aber” und hat keine Handlungsalternative außer weinen und wütend werden

 

Die Erklärung kann später folgen, wobei ich es auch schon selbst erlebt habe, dass sozusagen “alte Wunden” aufgerissen wurden und das Kind erneut geweint und getobt hat. Das Ergebnis soll nicht heißen, wir geben nach und kaufen doch. Wir sollten versuchen auf die Gefühle dahinter zu schauen, die Kleinen zu trösten und aufzufangen und ehrliches Verständnis zeigen. Schließlich  sind wir  auch traurig, wenn das Monatsbudget die neue Handtasche oder die DVD nicht mehr hergibt. Wir schmeißen uns zwar nicht mehr auf den Boden aber vielleicht sind wir enttäuscht. Kinder können nicht nur traurig sein – sämtliche Gefühle kommen an die Oberfläche und werden durchlebt. Das Ganze verstärkt sich dann auch noch, wenn er Akku sowieso schon leer ist – sie müde sind. Dann können Kinder einfach nicht mehr kooperieren. Wir Eltern sagen “Er/sie ist total drüber.” Das trifft es auch ziemlich gut, denn dem ist tatsächlich so. Die Kinder haben den ganzen Tag kooperiert mit den Erwachsenen, haben viele neue Eindrücke bekommen und irgendwann läuft das Fass über und sie können nicht mehr. Auch dieser Gedanke im Hinterkopf hilft mir tagtäglich sehr, dann ruhig und verständnisvoll zu bleiben und nicht zu schimpfen. 

In meinem Gastbeitrag habe ich genau zu diesem Thema geschrieben. Wenn der junge Mann einen Jogurt mit der roten Hundefigur haben möchte – genau der muss es dann natürlich sein. Wie reagieren, was können wir tun und wie durchstehen wir den Wutausbruch. Bitte hier klicken, um auf Josys Blog weitergeleitet zu werden. 

 Artikel: Trotzphase – gibt es nicht! 

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