Was sind eigentlich Freilerner?

Ich bin über eine bekannte social media Plattform – nennen wir sie facebook – auf eine Familie gestoßen, die seit mehreren Jahren mit ihren drei Kindern die Welt bereist. Die Kinder sind teilweise im schulpflichtigen Alter. Auf dem Profil viele schöne Bilder am Strand,  unterwegs in Bus und Bahnen und in dem familieneigenen Wohnmobil – Freilerner. Ich habe mich gefragt, wie machen die das eigentlich mit der Schulpflicht. Ein Jahr vielleicht abmelden und reisen – schwierig – aber eventuell noch irgendwie machbar aber zwei, drei oder sogar vier Jahre?
Ich habe angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen und bin auf die so genannten Freilerner gestoßen. Familien, die ihre Kinder zu Hause unterrichten und die überhaupt keine Schule besuchen. Lehrer und Lehrerin sind Mama und Papa bzw. gibt es mittlerweile auch communities, die sich zusammen schließen.
In Deutschland gilt seit der Weimarer Verfassung im Jahre 1919 die Schulpflicht. Homeschooling ist in unserem Land verboten. Dennoch gibt es scheinbar “Grauzonen” die Schulpflicht zu umgehen. In anderen europäischen Ländern gibt es bspw. die so genannte Bildungspflicht.  Wikipedia schreibt dazu:

“Als Bildungspflicht wird eine ethischeSelbstverpflichtung verstanden, sich intellektuell oder handwerklich individuell zu bilden. Als formale Bildungspflicht wird die Pflicht bezeichnet, Bildungs­nachweise zu erbringen, in der Regel durch Leistungsprüfungen. Eine Schulpflicht schreibt vor, dass genehmigte Schulen besucht werden, an denen gewährleistet ist, dass dort geforderte Leistungsnachweise erbracht werden können.
Eine Schulpflicht kann wie eine Bildungspflicht wirken. Allerdings gewährleistet ein Schulbesuch nicht zwingend die dort vorgesehene Bildung. In Deutschland besteht für Minderjährige eine gesetzliche Schulpflicht. Nach dem Ende der Altersgrenze für Schulpflichtige ist allerdings ein Schulabgang ohne Bildungsabschluss möglich, wenn die in der Schule geforderten Leistungsnachweise nicht erbracht wurden. Ausnahmen von der Schulpflicht wurden bisher nur in wenigen Einzelfällen genehmigt. Die Zahl der unbeschulten Kinder und Jugendlichen in Deutschland wird gegenwärtig auf etwa 500 bis 1000 geschätzt.”

Somit nutzen viele Familien den Weg und verlagern ihren Wohnsitz in das Ausland. Dort ist homeschooling kein Problem und es gibt auch diverse Online-Schulen, die die Eltern mit Lehrmaterial, Stundenplänen und Onlinekursen unterstützen.
Familien die ins Ausland auswandern oder längere Zeit auf Reisen gehen möchten, melden sich auch oft in Deutschland ab. Sie verkaufen ihr Hab und Gut und kündigen alle Verträge. Sie machen sozusagen einen “cut” , behalten aber ihre Staatsbürgerschaft und auch die Reisedokumente. Die Abmeldebehörde darf nicht nach der neuen Adresse im Ausland fragen bzw. muss diese auch nicht nachgewiesen werden.  Selbst das Auto kann in Deutschland auch ohne Anmeldung behalten werden. Weitere Informationen diesbezüglich gibt es auf www.auswandern-handbuch.de
Doch zurück zum Thema Freilerner. Bei meinen Recherchen bin ich auf ein riesiges Netzwerk gestoßen, dass mich wirklich verblüfft hat. Es gibt eine Freilerner Zeitung, ein Schulfrei Festival und ein Freilerner Treffen in Europa. Es gibt zahlreiche communities und Foren, in denen sich Freilerner austauschen und gemeinsam unterstützen.  Auch viele Blogs beschäftigen sich bereits mit dem Thema.
Es erfordert eine Menge Disziplin, die eigenen Kinder zu unterrichten, zu motivieren und sich selbst auch mit dem Lehrstoff vertraut zu machen. Aus Mama wird Lehrerin. Das müssen auch die Kinder verstehen und akzeptieren. Aus den Kindern werden Schüler und das ist für eine Mama sicherlich keine leichte Aufgabe. Sich interessante Lehrinhalte zusammen stellen, aufbereiten und in eigenen Unterrichtsstunden vermitteln. Sind Kinder im unterschiedlichen Alter zu Hause, muss der Unterrichtsstoff entsprechend optimiert werden. Das Thema ist sehr spannend und die Kinder wachsen ohne Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und Klausuren und Noten auf. Sie können spielen und auf der ganzen Welt lernen – ortsunabhängig.
Finde ich das gut? Ehrlich gesagt ist das nicht unser Weg und kommt für uns auch nicht in Frage. Wir leben in Deutschland und können die Kinder nicht vor der Gesellschaft und den verbundenen Herausforderungen bewahren. Wir haben eine Schulpflicht und das akzeptieren wir. Es gibt in Deutschland verschiedene Schulformen, auch Alternativschulen, die ebenfalls einen leichteren Einstieg in das Schulleben ermöglichen. Für eine Weltreise ist es sicherlich eine Alternative und eine gute Variante, dass die Kinder trotzdem weiter lernen können. Hier gibt es aber die Möglichkeit sich befreien zu lassen und dann dennoch an einer Fernschule weiter zu lernen.  Als hauptsächliche Schulform wäre es für uns keine Option.
Wer weitere Informationen haben möchte, hier ein interessantes video bei spiegel.de: “Mats geht nicht zur Schule” 

 

Schreibe einen Kommentar

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

Menü schließen