“Zwei Mamas und ein Kind” Interview mit Melanie (34) – Blogreihe Familie

Heute möchte ich Euch in der Blogreihe Melanie (34 Jahre) vorstellen. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Frau und dem gemeinsamen Sohn Marley (4 Jahre) zusammen. Der junior wird also mit zwei Mamas groß und ohne die typische Vaterfigur. Wie das funktioniert, lest ihr in meinem heutigen Artikel zur Blogreihe: “So leben und lieben Familien in Deutschland”. 

Melanie, herzlichen Dank für Eure Teilnahme und den Einblick in euer Leben.  

Bitte stelle Dich und deine Familie kurz vor. 

Mein Name ist Melanie, bin 34 Jahre alt und komme aus NRW. Wir leben in einer kleinen Stadt im schönen Ruhrgebiet . Ich habe mich vor einiger Zeit mit einer Großtagespflegestelle im U 3 Bereich selbstständig gemacht, um mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können. Vorher habe ich im Schichtdienst gearbeitet und da war es besonders am Wochenende und Feiertagen schrecklich nicht zu Hause zu sein.

Sohn Marley (4) – Bild von Melanie

Wie ist Euer Lebensmotto?

” Mein Ziel ist es reich zu sein! Reich an ABENTEUER , reich an GESUNDHEIT , reich an FAMILIE und reich an LIEBE !

Du lebst mit deiner Frau bereits seit 12 Jahren zusammen. Eure Liebe krönt ein gemeinsames Kind. Magst Du uns mehr von Euch und eurer Familie erzählen?

Mein Sohn Marley ist nun schon 4 Jahre….Wie die Zeit vergeht. Ich kann mich noch genau an den magischen Moment zwischen uns erinnern.
Ich schaute mir seine klitze kleinen Hände und Füße an, danach trafen sich unsere Blicke und es war um mich geschehen. …Ich war unsterblich verliebt !
Das war eigentlich der Moment wovor ich etwas Angst hatte, denn ich bin nicht seine Bauchmama sondern seine Herzmami….
Und so fing schließlich alles an :

Vor 12 Jahren lerne ich meine Frau kennen.
An meinem Geburtstag- das war wohl mein Glückstag und etwas ganz Besonderes für mich.
Für Männer habe ich mich noch nie interessiert und Männer auch nie für mich. Männer waren für mich eher Kumpel – niemals wäre es mir in den Sinn gekommen, mich in Einen zu verlieben. Gedanken habe ich mir nie darüber gemacht. Ich dachte mir immer ich verliebe mich in die Person, nicht in das Geschlecht. Irgendwie waren es immer Frauen. Tja, so spielt das Leben.
Nach einigen Jahren, in denen wir viele Reisen unternommen haben und intensiv unsere gemeinsame Zeit lebten, kam in uns der innige Wunsch auf, zu heiraten. Um uns endlich vollständig als Familie zu fühlen, auch der Kinderwunsch. Im JULI 2014 war es dann endlich soweit, unser Sohn kam zur Welt .
Die Schwangerschaft war auch für mich, als “nicht schwangere MAMI ” ein Erlebnis. Ich habe mich natürlich damit auseinander gesetzt wie unser Umfeld reagieren wird. Dazu gehörten nicht nur Freunde und Familie, sondern auch Ärzte, unsere Hebamme, und letztendlich das Personal im Krankenhaus während der Geburt. Doch zum Glück war es so, dass wir immer positive Wegbegleiter hatten. Darauf bin ich sehr stolz.

Wie unterscheidet sich eine Beziehung zwischen Frau zu Frau, zu einer klassischen Mann – Frau? 

Also den Unterschied kann ich Dir gar nicht sagen, denn ich habe noch nie mit einem Mann zusammen gelebt, daher null Erfahrung. Was ich mir vorstellen könnte ist, dass eine Frauenbeziehung einfühlsamer, gefühlvoller und verständnisvoller abläuft. Bei uns ist es so, dass wir Streit eher ausdiskutieren. Respekt voreinander ist uns sehr wichtig. Und natürlich das wir unsere gemeinsame Zeit in unsere kleine Familie investieren.Kann es auch in einer klassischen Beziehung geben. Ich möchte da keine Vorurteile haben und Männer reduzieren. Was ich allerdings sagen kann ist, dass viele Männer in Beziehungen sehr oberflächlich wirken.

Wie reagiert die Gesellschaft darauf – zwei Mamas mit Kind? Wie ist es bspw. im Kindergarten?

Bisher haben wir und unser Sohn keine negativen Erfahrungen gemacht, eher im Gegenteil.
Im Kindergarten hat er viele Freunde und wird sogar teilweise beneidet, eine Mama und eine Mami zu haben. Als er anfing zu sprechen, war ich seine Mimi und meine Frau schon immer Mama. Aus Mimi wurde Mami . So ist es bis heute geblieben. Wie es zukünftig aussehen wird, steht natürlich in den Sternen. Unsere Aufgabe sehen wir darin , ihn den Weg zu zeigen, ein starker und selbstbewusster, offener, liebevoller und tolleranter Menschen zu werden. Darin stecken wir unsere Hoffnung. Uns war es wichtig, dass er mit seiner Volljährigkeit die Möglichkeit hat, seine Wurzeln kennen zu lernen.

Meinst Du eurem Sohn könnte die klassische Vaterfigur fehlen?

Bisher haben wir jedoch nicht das Gefühl, dass er Etwas vermisst oder verändern möchte. Unser Freundeskreis besteht überwiegend aus heterosexuelle Familien. Das bedeutet, dass er viel Kontakt zu Männern hat. Das macht die ganze Situation nicht interessanter für unseren Sohn. Wir versuchen ihm zu erklären, dass es verschiedene Familienkonstellationen gibt. Manche Kinder haben zwei Mütter oder zwei Väter und andere Mutter und Vater. Dann wiederum gibt es auch Kinder, die nur noch einen Elternteil haben oder sogar keine Eltern die es lieben und umsorgen. Das versteht er schon sehr gut und klärt andere selbstbewusst auf. Das ist immer sehr aufschlussreich und witzig.

Was bedeutet für Dich Glück?

Es ist das schönste und größte Glück auf der Welt, so bedingungslos geliebt zu werden.
Mich persönlich macht es glücklich eine Familie zu haben und vor allem ein gesundes Kind.

Gibt es heutzutage noch bürokratische Hürden, die in unserer modernen Gesellschaft noch immer unüberwindbar sind? 

Leider ist es heutzutage immer noch sehr aufwendig  und langwierig ein Kind zu adoptieren, auch wenn es innerhalb der Ehe ausgetragen wird. Bei uns hat es 6 Monate gedauert und ich weiß, dass es bei anderen Paaren noch viel länger gedauert hat – sogar bis zu 2 Jahre. Obwohl es absolute Wunschkinder sind, muss man sich rechtfertigen und vor den Ämtern seine ganze Lebensgeschichte ausbreiten. Das finde ich geht zu weit. In heterosexuellen Familien kontrolliert Keiner das Kindeswohl nach der Geburt. Man fühlt sich da schon sehr vor den Kopf gestoßen und unterdrückt. Daran sollte etwas geändert werden. Das bedeutet nicht das ich gegen diese Besuche und Kontrollen bin.
Im Gegenteil. …aber dann in allen Familien! !

Gesellschaftlich haben wir noch nie etwas Negatives erfahren müssen. Liegt vielleicht auch daran, dass wir versuchen immer sehr offen damit umzugehen.
Unser Kleiner besucht seit 2 Jahren den Kindergarten und da sind wir bisher auf tollerante Menschen gestoßen. Es ist bisher immer eher interessant für andere Menschen gewesen.

Gibt es bei Euch eine klassische Rollenverteilung (‚Mama/Papa“) oder wie handhabt ihr die Erziehung?

Meine Frau und ich sind beide eher locker und wollen nicht nur Eltern sondern auch Freunde für Marley sein. Es ist uns wichtig, dass er weiß, dass er geliebt wird und wir immer für ihn da sind, wenn er uns braucht. Bei uns gibt es keine klare Rollenverteilung bezüglich der Erziehung. Meine Frau und ich machen jeweils Alles. Wir toben, basteln, kochen, werken usw.. Beide mit unserem Sohn. Großes Interesse haben wir am werken gefunden. Wir arbeiten viel mit Holz und bauen daraus Etwas. Unser letztes gemeinsames Projekt war unser Kaninchenstall, den wir selbst gebaut haben. Unser Sohn findet es fantastisch mit uns daran zu arbeiten. Also zwei Mamas zu haben, bedeutet nicht nur Mädchensachen zu machen. Da machen wir keine Unterschiede.

 

Liebe Melanie, herzlichen Dank!

photos: pexels.com 

 

 

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